Purkersdorf Forum Archiv 2002
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Karl Berger ® sagt am 27.03.2002 19:01 zu clemens ?:Nächster Beitrag

Re: demo gegen wehrmachtsausstellung


Der folgende Aufruf zum aktuellen Thema ist dem neuen, Freitag erscheinenden »AUGUSTIN« entnommen:
Gegen den Nazi-Aufmarsch und den nationalen Konsens! Samstag, 13. 4. 2002, ab 11 Uhr Infopoint/Party vorm Semperdepot, 6., Lehargasse. Demotreffpunkte: 12 Uhr Oper und Westbahnhof
Aktionstag gegen den Neonazi-Aufmarsch in Wien.
Am 13. April wollen Neonazis in Wien gegen die Ausstellung über die Wehrmachtsverbrechen im deutsch-österreichischen Angriffs- und Vernichtungskrieg demonstrieren. Darin äußert sich das wachsende Selbstbewusstsein österreichischer Neonazis. Denn mit der Regierungsbeteiligung der FPÖ ist der Rechtsextremismus noch normaler geworden. Mit dieser Normalisierung hat sich auch der Spielraum von Neonazis dramatisch vergrößert. Wie ein Fisch im Wasser schwimmen sie im nationalen Konsens.
Schon die erste "Wehrmachtsausstellung", welche das Bild von der "sauberen Wehrmacht" zerstörte, zog sich den Protest rechtsextremer und nationalkonservativer Kreise zu. Je unhaltbarer die Unterscheidung zwischen bösen NS-Verbrechern und heldenhaften Frontsoldaten, je deutlicher die Rolle der Wehrmacht bei der Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen wurde, desto heftiger gerieten die abwehrenden Reaktionen. Während Neonazis dabei wenigstens so ehrlich sind und den verbrecherischen Nationalsozialismus als Ganzes verteidigen, ergehen sich andere in Differenzierung. Sie wenden sich heuchlerisch gegen die "Pauschalverurteilung einer ganzen Generation" und meinen doch nichts anderes als die Entschuldigung der volksgemeinschaftlichen Raserei gegen Juden und Jüdinnen sowie andere "Untermenschen".
In der aktuellen Vergangenheitspolitik (Forderung nach der Abschaffung der Bene_-Dekrete; 100 Millionen Schilling Förderung von "Vertriebenenverbänden" und ihr "Haus der Heimat" durch Bund und Länder; das sogenannte "Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz", nach welchem jetzt jährlich rund 80 Millionen Schilling an in Gefangenschaft geratene Wehrmachtssoldaten und SS-Schergen ausbezahlt werden) drückt sich der nationale Konsens aus. Nach diesem war Österreich und seine Bevölkerung kollektiv das erste "Opfer" des Nationalsozialismus. Der bei weitem nicht auf die Neonazi-Szene beschränkte Widerstand gegen die "Wehrmachtsausstellung" soll die Identifikation mit dem Kollektiv der "unschuldigen Opfer" und den eigenen Vorfahren befestigen. Aber gerade in dieser Identifikation liegt die "zweite Schuld" der Nachgeborenen.

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