Purkersdorf Forum Archiv 2002
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Herzogstuhl ? sagt am 28.03.2002 14:45 zu Karl Berger ®:Nächster Beitrag

Re: demo gegen wehrmachtsausstellung


ad „Schuld“) Der von Ihnen oben ins Netz gestellte Beitrag spricht sehr wohl von der „zweiten »Schuld« der Nachgeborenen“, also einer konstruierten angeblichen Schuld von uns allen.
ad „Niemals wieder“) In Österreich und Deutschland (und im überwiegenden Teil von Europa) wurden sehr wohl die Lehren aus den schrecklichen Ereignissen des letzten Krieges gezogen, nur so ist der relativ stabile Frieden in dieser Region in den letzten 55 Jahren zu erklären, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Teilen der Welt, wo das Völkermorden und Abschlachten seit 1945 nahtlos weiterging, ich erinnere stellvertretend dafür nur an die millionenfachen Morde im Krieg Tutzis vs. Hutus in den letzten Jahren. Und sie sehen bei uns „große Versäumnisse“??? JA, ich wage es Vergleiche zwischen „anderen“ und „uns“ zu ziehen; ich verharre nicht demutsvoll vor der Vorgabe der politisch ach so Korrekten, zuerst (und nur) bei uns zu beginnen; Bei uns wurde in den letzten 50 Jahren auf Teufel komm raus und bis zur Selbstaufgabe „aufgearbeitet“, „trauergearbeitet“, „restituiert“ usw., unsere Kinder werden in den Schulen dazu erzogen, schön regelmäßig „betroffen“ von der eigenen Geschichte zu sein, anstatt die Geschichte als das anzuerkennen was sie ist, nämlich Geschichte, um endlich positiv und ohne Schuldgefühle für Taten anderer in die Zukunft sehen zu können. Wir und unsere Nachkommen haben keine geschichtliche „Last“ mit uns herumzutragen. Sie, Herr Berger, können das natürlich nicht so sehen, denn laut einem Ihrer eigenen Statements beginnt die »Gegenwart« bei Ihnen mit der Machtergreifung der Nazis (in Deutschland oder Österreich? Egal, beides schon einige Jahre vor der Geburt meiner Eltern). Fast kommt man bei näherer Betrachtung dessen dazu, Sie einen wirklich „Ewiggestrigen“ zu nennen, aber dazu möchte ich mich um des Friedens im Forum Willen nicht versteigen.
ad „Untaten relativieren“) Ja, auch hier wage ich es zu behaupten: Warum soll man nicht die Geschichte eines Landes (die Taten eines Volkes, die einer Generation, was auch immer) in Relation zur Geschichte eines anderen Landes (Volkes, Generation usw) setzen? Welcher Gedankenpolizist verbietet uns eigentlich, solche Vergleiche anzustellen, warum lehrt man uns, daß man das nicht tun soll? Und w e r lehrt uns das aus welchen Gründen, das wäre wohl die angebrachtere Frage. Wie steht es beispielsweise wirklich mit der Freiheit der Wissenschaft bei uns?
ad „Nazis“) Ja, die Nazis haben den Rassenwahn auf die Spitze getrieben und sie sind (unter anderem dafür) vom Orkan der Geschichte hinweggefegt worden. Aber: Warum soll das Deutsche Volk (nicht die Bevölkerung, den die ist eine identitäts- und gesichtslose Masse) dafür ewigen „Wind ernten“?

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