Die Wiener Stadtbahn war ein 1898 eröffnetes öffentliches Nahverkehrsmittel. Ursprünglich handelte es sich um eine normalspurige, als Vollbahn klassifizierte Eisenbahn, die von den k.k. Staatsbahnen mit Dampflokomotiven betrieben wurde.
Ausser dem Personenverkehr diente sie auch dem Transport von Post, Gepäck und Gütern. Ihr 37,9 Kilometer langes engeres Netz bestand aus der
Oberen Wientallinie, der Unteren Wientallinie, der Donaukanallinie, der Gürtellinie und der Vorortelinie. Es fuhren Züge von Heiligenstadt bis nach Purkersdorf und Neulengbach.
(Bilder anklickbar zum Vergrößern!)
Österreichs berühmtester Dampflok-Konstrukteur Karl Gölsdorf konstruierte gleichzeitig mit dem Baubeginn der Wiener Stadtbahn eine passende Lokomotive, die kkStB30, von der es heute noch ein betriebsfähiges Exemplar im Eisenbahnmuseum Straßhof gibt. Die Stadtbahnlokomotive ist eine Tendermaschine, die so leistungsfähig ist, dass sie auf einer Steigung von 20‰ noch zehn vollbesetzte Stadtbahnwagen, deren Gesamtgewicht 150 t beträgt, mit einer Geschwindigkeit von 35 km/h befördern kann.
Foto: 2014
Ein Zug der Wientallinie aus Heiligenstadt verlässt gerade die Wiener Station Pilgramgasse in Richtung Purkersdorf.
Foto vor 1918, Wikipedia
Hier am Bahnhof Unter Purkersdorf sehen wir im Hintergrund einen Zug der Wiener Stadtbahn, erkennbar am weissen Fahrzielschild vorne an der Lokomotive. Er kommt von der Station Kellerwiese, heute Purkersdorf Zentrum. Rechts davon eine Drehscheibe, mittels der die Dampflokomotiven gewendet werden konnten.
Foto: Stadtmuseum Purkersdorf
Hier fährt ein Zug der Wiener Stadtbahn von Neulengbach Richtung Heiligenstadt in den Bahnhof Tullnerbach-Pressbaum ein.
Foto um 1910
1924 übernahm die Stadt Wien die Betriebsführung der Stadtbahn mit Ausnahme der Vorortelinie und elektrifizierte diese. Das Schienennetz der elektrischen Stadtbahn wurde vom Bahnnetz entkoppelt, in Hütteldorf mit einer Wendeschleife versehen und technisch als bessere Straßenbahn geführt.
Die Vorortelinie wurde dem Verfall preisgegeben und für gelegentlichen Güterverkehr benutzt. Später wurde sie komplett renoviert und am 30. Mai 1987 als S45-Linie wiedereröffnet.
Grundlage für diese Seite ist eine Veranstaltung der VHS Purkersdorf von Dr. Christian Matzka und Gerhard Bürgmann.