HOME

Das Erbe der Kartäuser

Purkersdorf

STADTPOLITIK
  NETZWERK
   · Editorial
   · Netzwerk Forum
   · Biosphärenpark
   · Newsletter
   · Netzwerk News
   · Wienerwald News
   · Verschiedenes
   · Termine
   > Archiv


Netzwerk Wienerwald

von Dieter Armerding

             Es kennt wohl fast jeder Wiener und Wienerwäldler die Kartause bei Mauerbach. Das Bauwerk, das heute zu sehen ist, steht unter Denkmalschutz. Es wird derzeit renoviert. Zwischen 1616 und 1666 wurden die meisten dieser Gebäude erbaut. Das war fast zweihundert Jahre nach der Stiftung des Klosters Mauerbach durch Friedrich den Schönen. Weniger bekannt ist, dass auch ein Stauwerk am Hirschengartenbach vor etwa 400 Jahren von den Kartäusern erbaut wurde. Wie die meisten Orden im Wienerwald waren wohl auch die Kartäusermönche und ihre Konversen Landwirte, Fischzüchter, Forstleute und Weinbauern. Die Anlage des ursprünglichen Hirschengartenteiches geht wohl auf das frühe 17. Jahrhundert zurück, als es den Mönchen wieder etwas besser ging nach Zeiten des Mordens, Plünderns und der Brandschatzungen besonders durch die Türken. Immerhin gab es 1597 nur noch den Prior im Kloster. Erst 40 Jahre später bevölkerte sich die Kartause wieder.

 

Dort wo der Hirschengartenteich bei Mauerbach sich heute befindet, gab es schon vor etwa 400 Jahren einen Fischteich, der von den Kartäusermönchen erschaffen wurde.

             Fauna und Flora hatten also lange Zeit, sich in idyllischer Unberührtheit an die veränderten Lebensbedingungen eines feuchten Lebensraumes anzupassen. Es gibt heute Schlangen, Frösche, Kröten, Unken und Teichmolche zu hunderten, und weil es sie gibt und dazu noch die ausgesetzten Fische, kommen auch Graureiher, Schwarzstörche und gelegentlich ein Silberreiher zu Besuch. Bisamratten und seit einiger Zeit auch ein Biber erfreuen sich dieses besonderen Feuchtbiotops. Das Bild, das sich dem Besucher im Frühjahr bietet, ist überwältigend. Die Drachenwurz (Calla palustris) hat sich als einzigen Lebensraum im Wienerwald die Flachwasser- und Verlandungszonen des Teiches ausgesucht und gedeiht und blüht dort in Massen zusammen mit vielerorts ebenfalls selten gewordenen feuchtigkeitsliebenden Pflanzen. Der Schwarzerlenwald bietet den typischen Anblick eines urwüchsigen Auwaldes mit mehr als hundert Jahre alten Bäumen und vielen bereits abgestorbenen Gehölzen.       

       Der Hirschengartenteich ist der einzige Standort der Drachenwurz im Wienerwald.

Der Hirschengartenteich ist NATURA 2000 Gebiet nach den Vogelschutzrichtlinien. Im Rahmen der Biosphärenparkplanung wurden alle bachbegleitenden Auwälder als unbedingt schutzwürdig erklärt. Die bedeutenden Lebensräume von Amphibien stehen eigentlich ohnehin unter Naturschutz. Die Drachenwurz und ihr Lebensraum sind ebenfalls per Gesetz geschützt. Die Pflanze selber steht auf der roten Liste. Angesichts solcher überzeugender und beeindruckender Gründe, die Intaktheit des Teiches mitsamt dem umgebenden Feuchtraum zu sichern, kann man sich nur wundern, mit welcher Unverfrorenheit und Brutalität man in Mauerbach plant, dieses Naturparadies zu vernichten.

Ablassrinne des Hirschengartenteiches im Herbst 2004. Damm und Teich haben schon mehr als einem Jahrhunderthochwasser standgehalten.

Die Umwandlung des Teiches und umgebender Flächen in ein Retentionsbecken als Bollwerk gegen das nächste „Jahrhunderthochwasser“ ist sicher die einfachste Lösung für ein derartiges Projekt. Besitzer ober- und unterhalb des Teiches wehren sich vehement gegen die Einbeziehung ihrer Gründe in ein Rückhaltebecken. Die Natur kann sich nicht wehren. Projektbegleitende Ökologen und Naturschutzsachverständige haben wohl ihren Sinn für die Natur verloren, falls sie ihn je besessen haben. Sie unterstützen die Betonierer und deren Auftraggeber und ignorieren, was andere unabhängigere Fachexperten verfassen. Es ist schon richtig: Personenschutz kommt vor dem Naturschutz. Trotzdem kann man nicht einfach andere bestehende Gesetzte und Verordnungen missachten und umgehen, besonders dann nicht, wenn es andere Möglichkeiten gibt, das Dilemma zu lösen.

Dies ist der offizielle Plan: Fällen der Bäume auf dem bestehenden Damm, Entfernen der Vegetation dort, Errichtung eines Stauwerkes das drei Meter höher ist als die derzeitige Dammkrone, Absenken des Teichspiegels um 60 cm um mehr Platz für Hochwässer zu schaffen. Der Hirschengartenteich würde zu einem Kraterteich mutieren. Die Angler hätten einen freien Blick auf den versteinerten, kahlen Damm. Die Schwarzerlen am anderen Teichende würden nach und nach kränkeln, absterben und durch andere nachwachsende Baumarten ersetzt. Die Drachenwurz würde nicht unbedingt aussterben. Ein paar Pflanzen würden sicher überleben.

Dies wäre mein Alternativvorschlag: Man baut den neuen Damm stromabwärts unmittelbar am alten Deich und lässt letzteren in Ruhe. Den Zwischenraum zwischen den Dämmen füllt man auf. Den Wasserspiegel des Teiches belässt man so wie er ist. Bei drohendem Hochwasser lässt man rechtzeitig vorher genügend Wasser ab. Für die ungestörte Erhaltung der Flachwasser- und Verlandungszone, sowie des Erlenwaldes kann man einen neuen Erddamm quer durch den Teich errichten. Angeblich kostet das nicht viel und wurde anderswo schon realisiert.

Um Zeit zum Nachdenken und Neuplanen zu gewinnen werde ich einen Antrag zur Erklärung des Hirschengartenteich-Areals zum Naturdenkmal stellen. Das sollte aufschiebende Wirkung haben.

* Am 7. Oktober 2004 fand in Mauerbach eine Expertenrunde statt, organisiert von Ursula Prader. Teilgenommen haben der Verantwortliche für die technische Studie über die Retentionsbecken in Mauerbach der Firma Werner Consult, die ökologische Sachverständige für das Projekt, der Bürgermeister von Mauerbach, der zuständige Umweltgermeinderat, der Pächter des Hirschengartenteiches, der zuständige Forstverantwortliche. In der Opposition waren: Prof. Dr. Kurt Zukrigl, Prof. Dr. Franz Michael Grünweis, Mag. Stefan Moidl, Mag. Margit Gross (ÖNB), Mag. Gayl (Naturhistorisches Museum), DI. Monika Kisser, Ursula Prader, Dr. Dieter Armerding u.a. Es ging darum, die Pros und Kontras des Projektes darzustellen und wenn möglich zu einer Annäherung der Standpunkte zu kommen. Letzteres ist wohl gelungen. Aber es wird noch weitere Auseinandersetzungen und Gespräche brauchen um zu einem Konsens zu kommen. Vor der eigentlichen Diskussionsrunde fand eine Begehung des Hirschengartenteiches statt.


Expertenrunde: Begehung am 7. Oktober 2004, Bgm. von Maurerbach (links), Ursula Prader (Mitte) , Univ.-Prof. Zukrigl (2. von rechts), Stefan Moidl (WWF)


Expertenrunde: Begehung am 7. Oktober 2004, Bgm. von Mauerbach (Mitte), Monika Kisser (Die Grünen), Umweltgemeinderat von Mauerbach (rechts hinter dem Bgm.), Prof. Grünweis (links im Hintergrund)


AnfangZum Anfang der Seite
Letzte Änderung: 2004-10-17 - Stichwort - Sitemap