Bei der folgenden internationalen Presseschau über den schweren
Brezel-Zwischenfall des US-Präsdidenten stellt sich die quälende Frage:
Wie sicher sind Purkersdorfer Brezel?
Selbst die großformatige österreichische Presse stellte die Frage, ob der
Präsident eventuell zur Brezel einen großen Durst bekommen hat.
Oder kann es auch umgekehrt sein, dass das trockene Gebäck mit zu wenig
Flüssigkeit aufgenommen wurde?
Wäre das nicht eine Frage für das Forum?
Presseschau:
Eine Salzbrezel in der Luftröhre des US-Präsidenten beschäftigt die
Medienwelt.
«Ist die Brezel eine tödliche Waffe?», fragt der britische «Guardian» und
beruhigt seine Leser mit der Nachricht, der US-Präsident habe seine
Knabbergebäck-Ohnmacht «zerschrammt aber ungebrochen» überstanden. Fazit
des Blattes: «Ein Mann muss kauen.»
«George W. Bush ist am Sonntagnachmittag von einer gemeinen Brezel
niedergestreckt worden», meldet die «tageszeitung» auf ihrer
Satire-Seite. «Allerdings konnte sich Bush selbst von der Terrorbrezel
befreien. (...) Die Brezel wurde vom Secret Service verhaftet und zum
Verhör in das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba geflogen. Erste
Vermutungen, dass die Brezel zum Al-Qaida-Netzwerk des Terrorchefs Ussama
Bin Laden gehört, erhielten dadurch neue Nahrung.»
«Die Brezel ist sicher»
«Was hätten die Taliban und Konsorten gejubelt, wenn das terroristische
Gebäck seine tödliche Mission erfüllt hätte!», warnt die Tageszeitung «Le
Progrès» aus Lyon. Für das Blatt steht fest: Der Zwischenfall hatte auch
mit der «eigenartigen Ernährungsweise» der US-Gesellschaft zu tun.
Der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen
Bäckerhandwerks stellte noch am Montag auf Anfrage der
Nachrichtenagentur ddp klar: «Die Brezel ist sicher». Die Agentur
zitiert Eberhard Groebel: «Ich habe keinen Anlass, an der Qualität der
amerikanischen Brezel zu zweifeln.» Wahrscheinlich habe Bush «die
50-Gramm-Regel nicht beachtet», meldete ddp, wonach «man nicht mehr
sprechen sollte, wenn man mehr als 50 Gramm im Mund hat».
Offenbar gibt es jedoch noch Unsicherheiten in der Presse, wie das
Gebäck aussah, an dem der Präsident sich so mühte. Laut Groebel dürfe als
Brezel «jedes Gebäckstück bezeichnet werden, das die typische Form hat».
Gefährliches Entenbrüstchen
Ob Bush sich an einer Laugenbrezel oder an einer brezelförmigen
Salzstange verschluckte, darüber gehen die Meinungen auseinander. «Was
speiste Bush, als er zu Boden ging? Richtig, eine Brez´n», heißt es in der
«Financial Times Deutschland». «Ob da die bayerische Staatskanzlei schon
mal eine Kostprobe nach Amerika geschickt hat?»
Auch die «Welt» bebildert den Vorfall mit einem Laugengebäck. «Dabei
handelte es sich wohl nicht um die große, weiche, in Bierlauge gebackene
bayerische Brezel, sondern die amerikanisierte, kleine, harte, zu wenig
gesalzene», meint jedoch die «Berliner Zeitung».
Laut der «Bild»-Zeitung verursachte indes eine «stark gesalzene«
Knabberbrezel den «rätselhaften Unfall» des Präsidenten. Kolumnist Franz
Josef Wagner versichert: «Lieber George W. Bush, (...). Mir selbst
widerfuhr dieses Missgeschick kurz vor Weihnachten mit einem
Entenbrüstchen. Ich guckte, das Kauen vergessend, einer das Restaurant
betretenden schönen Frau nach - und drohte zu ersticken.»
«Armer Schlucker»
Dass George Bushs Missgeschick «arme und reiche Schlucker gleichermaßen
ereilt», bemerkt auch die «Welt». Sie nimmt den Vorfall zudem zum Anlass
für einen kleinen historischen Exkurs: «George Bush der Erste musste zur
Lächerlichkeit noch die Peinlichkeit erdulden, als er im Wahlkampfjahr
1992 nach Japan reiste und sich während eines Staatsbanketts, offenbar an
Magen-Darm-Grippe erkrankt, spontan übergeben musste. Und zwar just dem
japanischen Premierminister Kiichi Miyazawa in den Schoß (...) und vor
einer unbemannten, aber laufenden TV-Kamera.»
«Ein klarer Fall von Familienleiden», urteilt auch die «Financial Times
Deutschland». «Seit Generationen schon hat die ganze amerikansiche
Präsidenten-Dynastie ihre Probleme mit dem Essen.»
Abweichend tippt der Berliner «Tagesspiegel» auf einen saisonbedingten
Vorfall: «Hinzu kommt die Jahreszeit. Der Winter, die Kälte: Wer jetzt
nicht krank wird, ist auch nicht ganz gesund, sagt der Volksmund.» Zum
medizinischen Hintergrund liefert die Nachrichtenagentur ddp ein Interview
mit Ernährungswissenschaftler Günther Wolfram von der Technischen
Universität München. Der riet: «Am besten ist es, gar nichts zu essen.»
2002-01-18