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Wo die Bären 3 Meter groß sind |
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Kamtschatka - wo die Bären 3 Meter groß sind und sich die Vulkanlandschaft auf den Köpfen der Reiselustigen fort setzt ...
![]() "... Tatsache ist, dass laut vorliegender Stellungnahme des Reiseleiters das Reiseprogramm ohne Einschränkung erfüllt worden ist, die Harmonie in der Reisegruppe ausgezeichnet war, Fahrer und Begleitmannschaft sehr gut gewesen seien und zu keiner Zeit irgendeine Gefahr für Leben oder Gesundheit bestanden hat." - ein Auszug aus einem Schreiben des zuständigen Versicherers des Reiseveranstalters ...
Ein Land, ganz weit im Osten der euro-asiatischen Landkarte, unbemerkt bei
bisherigen Reiseplanungen, nur per Schiff oder auf dem Luftweg erreichbar, das
ist die russische Halbinsel Kamtschatka.
Und so landeten wir in Petropawlowsk-Kamtschatskij, der Hauptstadt der Insel,
die nicht in einfacher Weise mit den Anfangsbuchstaben "P-K" wie z. B. Ulan
Baator mit "UB" in der Mongolei, abgekürzt wird. Wir waren 9 Frauen und 4
Männer plus 1 Reiseleiter, der Geologe ist. Wir bestiegen ein Expeditionsfahrzeug, mit blau-schwarzer Tarnfarbe, welches uns 14 Reiseteilnehmer sowie 4 Personen Begleitmannschaft samt Gepäck, Küchenausrüstung plus Zelten aufnehmen sollte. Ich bemerkte, das KFZ sei überladen. Ausserdem bemerkte jemand, dass der Kühler tropfte und auch die Benzinleitung, wie sich später heraus stellte.
Unsere 1. Route führte uns zur Werkstatt, wo wir einen Dichtungsring für den Kühler erstanden.
Am 4. Tag, unserer Reise fuhren wir bergan, in Richtung Tolbatschik-Vulkan. Dieser ist 3.672 m hoch. Die Steigung ließ den Kühler heiß laufen und wir mussten mehrere Male zu Fuß neben dem Fahrzeug wandern. Dies kostete uns 4 Stunden kostbarster Zeit, denn wir hatten immerhin 11 Stunden Zeitverschiebung zu bewältigen, noch dazu eine Klima- und Höhenänderung. Als wir in die Nähe unseres Zeltplatzes in 1.200 m Höhe kamen, hatten wir einen Reifenplatzer. Es war bereits 24 h, kühl, dunkel. Wir saßen auf der kalten Lava, wärmten einander auf einer Rettungsdecke. Wir waren müde. 1 Stunde mindestens mussten wir aus harren. Dann weiter zum Lager. Ich baute mein Zelt auf einer Straße auf, da ich nicht besser sehen konnte ... Daraufhin gab es Abendessen! Um 3.30 h Nachtruhe - um 8 h sollten wir unsere Umgebungstour starten, doch ich weigerte mich, vor 10 h aktiv zu werden. Dies wurde akzeptiert.
5. Tag Resümee: es herrscht heuer ein extrem heißer Sommer, der die Schneeschmelze ausserordentlich voran treibt; würde man am frühen Morgen starten und gegen Mittag zurück sein, könnte man unliebsamen Überraschungen entgehen. Aber dies war eben wegen o. a. Pannen des Expeditionsfahrzeuges nicht möglich ...
Nach dieser 1. Prüftour für mich und einige andere waren wir erleichtert und zuversichtlich, auch das folgende Programm, die Besteigung 2 weiterer Vulkane, zu schaffen. Doch dann hatten wir vorerst ganz andere Vorkommnisse zu meistern. Am 8. Tag kehrten wir von einem Spaziergang im Toten Wald zurück - einem Gebiet, wo ein Ascheregen im Jahr 1975/1976 alles Leben für ein Dutzend Jahre aus gelöscht hatte. Wir erklommen wieder den Weg zu unserem Lager, diesmal am Abend, und mussten wieder pausieren, da der Kühler heiß war. Die Hälfte der Gruppe marschierte 2 Stunden zum Lager, der andere Teil legte sich ins spärliche Gras in der Sonne und wartete 2 Stunden lang, bis Dima Wasser aus einer Quelle für den Kühler geholt hatte ... Wieder war wertvolle Zeit mit Warten verstrichen ...
9. Tag Weiter gehen zu den im Programm angekündigten sehnsüchtig erwarteten Duschen in Esso! Nach 5 Tagen eiskaltem Bachwasser eine Wohltat! Herrlich, 30 Minuten zu duschen, Staub, Lavasand, Autan, Schweiss und Sonnenschutzmittel abzuwaschen sowie die Haare, die langsam zu Dreadlocks verfilzen, sauber zu bekommen! Es begrüßt uns Nikolai (Goldzahn) mit seiner Gattin am Touristenstützpunkt, wo wir unsere Zelte aufschlagen. Um 18 h dann der Run auf die begehrten Duschen. Unsere Dolmetscherin meinte, 3 Duschen wären es, ich erhoffte zumindest 5 Stück für uns 18 Leute ... und was war die Realität? Ein Bad mit Badewanne, Waschbecken und Toilette! ... Aus der Traum vom halbstündigen Duschen; 5 Minuten sind angesagt, dann drängt schon der Nächste nach ... zumindest konnte ich das paarweise Benützen des Badezimmers einführen - einer in der Wanne hinter einem Duschvorhang, der andere beim Becken - Geschlechterzusammenstellung egal. Anbei die uns vorgelegte Ausrüstungsempfehlung unseres Veranstalters: Gültiger Reisepass mit russischem VisumDa ich ein Moskitonetz fürs Gesicht nicht besaß, ebenso keine Gamaschen, fuhr ich ohne diese los. Zum Glück konnte ich den Vorteil einer Gruppenreise nützen und mir ein Moskitonetz ausborgen (welches zumindest teilweise Schutz bietet, da die Gelsen in die Ohren, wo das Netz anliegt, sehr wohl stechen) sowie Mini-Gamaschen, die mir ausreichende Dienste leisteten. Mit der o. a. Ausstattung ist die Basis für einen Kamtschatka-Aufenthalt geschaffen. Aus persönlicher Erfahrung empfehle ich allerdings, noch folgende Artikel ins Gepäck auf zu nehmen: Großes Moskitonetz - für eventuelle Wartezeiten in freier Natur ...
Und weiter geht die Reise.Nachdem unsere Dolmetscherin Dascha eine Gehirnerschütterung davon trug, weil sie an eines der übermächtigen Heizungsrohre im Gelände stieß, mussten eine Teilnehmerin und ich kurzfristig die Übersetzung im Museum übernehmen. Nach 15 Minuten anstrengender Kopfarbeit erscheint plötzlich Katharina, eine Bayerin namens Katharina Gernet, welche in Esso das Ernährungsprojekt des deutschen Vereins "Itenmen e. V." leitet. Sie übersetzt hochinteressante Details aus dem Leben der Evenen, 1,5 Stunden lang und ein Evene führt durch die ausgesuchten Sammelstücke. Katharina erhält Spenden als Dankeschön und der Fall ist erledigt. 1 Tag ist Dascha ausser Gefecht, dann geht's munter weiter. Weiters trägt ein Reisekollege ein Cut am Hinterkopf davon, da das hinter ihm liegende Gepäck nicht ordnungsgemäß vertäut ist - zum Glück ist die Wunde nur oberflächlich, sonst wären chirurgische Maßnahmen erforderlich gewesen - z. B. mit Nadel und Faden (?) nähen ... Nachdem wir also nach diesen Vorkommnissen auf dem Weg zum Avatschinskiy Vulkan auch noch die 5. Reifenpanne erleben durften, wir keinen Schlauch mehr hatten (an den Ersatzreifen denken wir schon nicht mehr), beschließen wir einstimmig als Gruppe Autostopp zu fahren! Wir ergreifen binnen 3 Minuten unser Handgepäck, stellen uns auf die staubige Landstraße - links und rechts nur Gebüsch mit mörderischem Getier - und werden nach 2 Minuten von einem Militärtruck alle zusammen mitgenommen! Hurra! Vorerst zum nächst gelegenen Ort in 50 km Entfernung, wo der Reifenwechsel an unserem eigenen Fahrzeug vonstatten gehen soll. Aber der Fahrer hat eigentlich die Strecke nach Malki vor sich, der Ort, den wir heute Abend erreichen sollten (es ist 17 h). also zähes Verhandeln. Ich betone, dass wir natürlich bezahlen für die Strecke; 5 Minuten palavern, Augen rollen, warten, still sitzen - und dann: okay! Der Fahrer nimmt das Risiko auf sich, von einer Miliz gestoppt und gefilzt zu werden. Wir fahren 500 m - und die Miliz stoppt uns. Türe öffnen, wieder still sitzen, wie in einem Viehtransport komme ich mir vor - ein kurzer Blick in unsere starren Gesichter, die Tür wird wieder geschlossen und weiter geht's 300 km lang. Der Truck packt locker 120 km/h und so sind wir um ca. 20 h in der Umgegend von Malki, wo wir in 1-stündigem Marsch unsere "Banja", das heutige Quartier, in der Fischzuchtstation für Lachse, aufsuchen. Es gibt 2 Duschen ohne Vorraum plus ein 9 m2 großes Planschbecken, weiters im Gelände unsere Gelsenfreunde und keine Jacken, Decken, Zelte ... An diesem Abend fühlte ich mich sehr desperat. Nach unserer Rechnung konnte Dima mit unserem KFZ mit repariertem Reifen und geringer Geschwindigkeit erst um 2 h nachts hier ankommen - aber was bis dahin? Einige überlegen nicht lange und springen mit einer Flasche Wodka ins nicht eindeutig reine Badebecken; der Rest schwirrt um die Duschen herum; halb nackt, nur die Hand vorm Geschlechtsteil (Vorteil der Männer, da eine Hand fürs Handtuch frei bleibt) oder ganz nackt - alles ist erlaubt. Wir sind mittlerweilen schon sehr intim ...
Dascha zaubert von irgendwo her Wurst, Käse und Brot und erwirkt ein Teekochen
in der Küche der Fischzucht bis Mitternacht.
Im Dschungel stecken wir abermals fest, diesmal in einer 50 cm tiefen Furt. KFZ entlasten, durch 10°C kaltes Wasser waten, Seilwinde aktivieren, hoffen, dass das Fahrzeug nicht kippt ... Wieder einmal geschafft! Dann nähern wir uns dem Vulkan und somit auch den Grenzen unseres KFZ ... Aussteigen, wandern, Kühler kühlen lassen, ... Ca. 2 Stunden sind wir über Schneefelder mit FlipFlops unterwegs, da ja nur ein kurzes Aussteigen ohne Handgepäck etc. geplant war ... dann zelten wir auf ca. 900 m Höhe unter herrlicher Kulisse um ca. 18 h. Um diese Uhrzeit erscheint die Sonne, welche tagsüber oberhalb der Nebeldecke zu finden ist und bleibt bis ca. 23.30 h bei uns. Am darauf folgenden Nachmittag erklärt mir Sergej, unser Koch, dass er heute Abend nach P-K fährt, um dort einen anderen Job anzunehmen. Nach den vielen erlebten wundersamen Vorkommnissen frage ich nicht einmal nach, wer denn dann für uns kocht. Unser Reiseleiter klärt dies um 20 h - Irina, welche aus den 500 m unter unserem Lager liegenden Containern stammt, werde für 1 Tag kochen, dann führen wir sowieso weiter ... Sache erledigt (die Container sind Überreste eines Trainingslagers für ehemalige sowjetische Schifahrer).
14. Tag
Und dann wartet Irina mit dem Abendessen: French Toast, Fleisch mit Pürree und
Salat, feinst angerichtet und Streuselkuchen ... man kann noch nachholen ...
uns gehen die Augen über und die Mägen auf ... ein Festmahl! Mittlerweilen ist das neue Fahrzeug auch angekommen sowie der schon immer vorhandene eigene Jeep von Gena (- - -). Es sieht "gut" aus, robust und in den Jeep verladen wir einen Teil des Gepäcks. Vorbei die Zeit des Wartens, des Schlendrians, des Zeit Vergeudens, hurtig geht's dahin! Am Fusse des Mutnovskij Vulkans, unserer letzten wandermäßigen Herausforderung haben wir das einzige Mal Regen, hauptsächlich über Nacht. Wir erleben, welche Gnade es war, immer in Sonnenschein gebadet worden zu sein! Weiters sind wir unter der Nebeldecke, jedoch in einer üppigen Blumenwiese untergebracht. Das Gras erweist sich als so dicht, dass ich einmal in der Toilette die Grube "freitreten" musste ...
Hier an diesem Platz haben wir Zeit zum Faulenzen! 2 Nachmittage von 15 - 19 h für uns!
Irina verwöhnt uns, es gibt Essen um 16 h nach einem Thermalbadbesuch (1 h
Fußmarsch) und wieder Essen um 19 h ...
18. Tag Es hätte allerdings noch eine kleine Steigerung geben können - welche unser Reiseleiter auf Grund der guten russischen seismischen Überwachungen ja ausschloss: Mag. Lisa Singer, eine österreichische Kamtschatka-Expertin, welche unser Programm zusammengestellt hatte, schreibt in ihrem Kommentar zum Ablauf unserer Reise wie folgt, "...Ich habe jedoch auf jeder Reise positive Überraschungen erlebt, ..., einen unerwarteten Vulkanausbruch, ...". Susanne Wallner | ||
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| Letzte Änderung: 2003-12-01 - Stichwort - Sitemap | |||