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Aserbaidschan


Susanne Wallner

Reise ins Land des Feuers

Zwischen Kleinem und Großem Kaukasus eingebettet, umrundet von Russland, Kaspisee, Iran, Türkei, Georgien und Armenien ist Azerbaijan nur über den Luftweg erreichbar!
Es ist so groß wie Österreich und hat eine ähnlich große Bevölkerungszahl.
Die Sommer sind unerträglich heiß und die Winter kalt, ein Kontinentalklima.
Die Azeri werden von den Nachbarstaaten „Türken“ genannt, sie sprechen auch eine Turksprache und können sich mühelos mit ihren Freunden, den „Türk*innen“ aus der Türkei, verständigen – in ungefähr so wie wir Österreicher*innen mit den Schweizer*innen.

Flammentürme

Azerbaijan ist nach Westen hin ausgerichtet. Obwohl die Kultur und Musik sehr der Persischen ähnelt, sprechen die Azeri schon gerne Englisch und obwohl Muslimischen Glaubens (90 %), tragen sie gerne westliche Kleidung.
Der Reichtum des Landes erschließt sich durch große Erdöl- und Gasvorkommen. Das austretende brennende Gas ist auf der Absheron-Halbinsel beim Yanar Dag (brennenden Berg) an der Erdoberfläche zu bewundern.
Daher das Wahrzeichen, die weithin sichtbaren drei „Flammentürme“, in Baku. Abends erstrahlen sie in bewegten Bildern in Rot oder den Farben der Landesfahne. Zwei der Türme sind in Betrieb als Bürohäuser.

Auf unserer Tour sehen wir die teilweise sehr moderne Hauptstadt Baku und fahren dann in den Norden, wo wir 2 Tage unterwegs sind; sehen die kahlen Berge des Kaukasus und die vielen Kulturschätze in kleinsten Orten: ein Mausoleum in Gobustan, die Juma Moschee in Schemacha, in Qabala das moderne Weingut Savala und natürlich Sheki: Karawanserei und Sommerpalast der Khane von Sheki.
Die Azeri sind sehr gastfreundlich und offen. Tourismus ist noch in den Kinderschuhen; hervorgehoben wird, dass die Kriminalitätsrate gleich 0 ist und man getrost um 2 h oder 3 h früh herumspazieren kann!
Die Hotelkultur verlangt demnach eine gewisse Flexibilität – die Hotels werden in attraktiver Form hochgezogen und dann nicht mehr gewartet. Unser Hotel in Baku war 5 Jahre alt und wies in allen Zimmern Schimmel in den Duschen auf. Außergewöhnlich, weil noch nie erlebt, war ein solch deftiges Waschmittel in der Bettwäsche, dass ich meinen Geruchsinn kurzzeitig einbüßte und nicht einschlafen konnte.
Wunderbar die Esskultur: an langen Tischen werden Platten aufgefahren mit vielerlei Vorspeisen – jegliches Gemüse wird eingelegt, z.B. Knoblauch!, viele Salate angemacht. Und dann, für Vegetarier*innen zum Nachteil, riesige Fleischportionen kredenzt. Das Nationalgericht ist ein in Brotteig gebackener Plov, hier mit Marillen versetzt. Serviert wird dies auf eigenem Geschirr mit einer Flamme aus Ton, welche angezündet werden kann. Begleitet wird dies mit Pommes und Lavash, einem riesigen Fladenbrot.
Verschiedene Süßspeisen gibt es danach: die wichtigste ist Shekerbura, Teigtäschchen mit Verzierung und einer Mandelfülle.
Wieder retour in Baku, konnte ich an einem Abend meinen Freund, den Direktor des örtlichen Mugham-Zentrums und preisgekrönten Tar-Spieler des Landes, treffen.
Wir spazierten auf der nicht enden wollenden Promenade am Kaspisee entlang. Hier finden sich auch alle wichtigen Gebäude, so auch das Mugham-Zentrum. Mugham ist ein traditioneller Musikstil in Azerbaijan, immaterielles Weltkulturerbe und kann hier studiert werden.
Danach sitzen wir in einem Café neben dem Clocktower, wo früher auch Fallschirmspringer geübt hatten. Es ist elegant, viele Besucher*innen von Theatern und Musikaufführungen sitzen hier.

Altstadt

Am darauffolgenden, letzten Abend erkunde ich mit 3 Damen der Reisegruppe die Innenstadt. Wir haben kein Bargeld mehr – kein Problem, das Hotel wechselt. Wir haben keinen Stadtplan – kein Problem, der Rezeptionist malt ihn uns auf einem 5x5 cm großen Papier. Er bestellt uns das Taxi, welches uns ins Gewühl der durchwegs jungen Samstagabendgenießer*innen wirft. Grell beleuchtete Straßen mit durch Leuchtketten umrandeten Gebäuden blenden uns. Wir sehen die Altstadt an, welche auch in Wien sein könnte – unglaublich die historischen Gebäude; tragen ein Kätzchen ein Stück weit mit uns und finden uns am mehrspurigen Boulevard, auf welchem die Formel 1 stattfindet, wieder.
Ich erkenne einige Gebäude von unserer vormittäglichen Stadtrundfahrt und weiß, dass das Mugham-Zentrum hier in der Nähe ist!
Es ist 22.30 h, die Uhrzeit, zu welcher mein Freund Sahib noch im Büro sein sollte. Ich vermute noch ein Konzert, doch es herrscht Stille. Keine Klingel am Haupteingang. Wir selbst haben kein Internet-fähiges Handy – was tun?
Ich halte ein Azerisches Paar auf und ersuche sie, Sahibs Telefonnummer zu wählen.
Er weist uns an, am Eingang zu warten, ein Mitarbeiter kommt vorbei.

Konzertsaal

Nach 5 Minuten werden wir eingelassen, wandern an den Büsten berühmter Mugham-Musiker vorbei, kommen in einen Vortragssaal mit schlichter, eleganter Ausstattung und dann in den modernen Konzertsaal. Herrlich!
Sahib ist leider nicht mehr vor Ort, unser Guide ist sein Hausmeister, sehr freundlich, sein Russisch durch schlechte Artikulation schwer verständlich; er möchte uns Tee kredenzen.
Eine Ehre, diese moderne Konzerthalle individuell sehen zu können - das Gebäude stellt eine Tar dar, The Caspian Waterfront Mall ist in Form einer Lotusblüte gebaut und das Teppichmuseum ist eine offene Teppichrolle. Dies erinnert mich an Konstruktionen in Turkmenistan.

Wer Orient und Okzident in modernem Geflecht erleben möchte, solle sich in den Flieger setzen und direkt in 4 Stunden hier ankommen: alle Sinne werden in erfreulicherweise bedient werden.


Susanne Wallner
Oktober 2023


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