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Norman Mailer 84-jährig verstorben


Norman Mailer 84-jährig verstorben

Von Manfred Bauer/Stadtbibliothek Purkersdorf

 

Der US-amerikanische Schriftsteller und Journalist Norman Mailer, geboren am 31. Jänner 1923, verstarb am 10. November 2007. Mailer zählte zu den widersprüchlichsten AutorInnen der globalisierten Literatur. Der Sohn jüdischer Einwanderer aus Litauen, der am Harvard College und an der Sorbonne studierte, erlebte seinen weltweiten Durchbruch als Schriftsteller 1948 mit dem Kriegsroman „Die Nackten und die Toten“ („The Naked and the Dead“). Darin verarbeitet er seine Erfahrungen als Soldat an der Pazifikfront.

Links und kontroversiell

Mailer verortete sich, eigenen Angaben zufolge, stets als politisch links stehenden Autor“, der die Verwerfungen des „American Way of Life“ in seinen Werken freizulegen versuchte: US-Imperialismus, religiöser Fundamentalismus, kollektive Gewaltbereitschaft und sexuelle Neurosen standen im Fokus seines literarischen Produktionsprozesses als Journalist (u.a. beim „Esquire“ oder beim Magazin „Village Voice“, das er mitbegründet hatte) und Schriftsteller. Der Freischaufelung der ökonomischen Wurzeln dieses „American Way of Life“ sowie der dialektischen Korrelation zwischen seinen Wurzeln und seinen soziokulturellen und soziopathologischen Manifestationen verweigerte sich Mailer jedoch zeit seines Lebens. Er galt als erbitterter Gegner der Republikaner, der über den Irak-Krieg gegenüber der DPA sagte, dass dies der schlimmste Krieg sei, den die USA jemals geführt hätten. Bush bezeichnete er in diesem Zusammenhang als „einmalig dummen Kriegsführer“. Auf der anderen Seite bekundete er freimütig Verständnis für die Mitgliedschaft des deutschen Literaturnobelpreisträgers Günther Grass in der Waffen-SS. Das lange Schweigen von Grass verglich er mit der Schreibhemmung, die ihn, wie er sagte, erfasst habe, als er 1960 ein Messerattentat auf seine damalige Ehefrau Adele beging. Er sei überfordert gewesen, so Mailer, „die Komplexität seiner Gedanken bei der Tat literarisch darzustellen“.

Werk und Leben

Mailers literarischer Output ist umfangreich, 40 Bücher zählen dazu ebenso wie zahlreiche Theaterstücke, Drehbücher, Gedichte Biografien. 1973 etwa veröffentlichte er eine Biografie über Marilyn Monroe, die ihm von der internationalen Frauenbewegung den Vorwurf einbrachte, Monroe in typisch kommerzialisierter Form als „Sexsymbol“ zu instrumentalisieren, statt das dahinter lauernde patriarchale System freizulegen.

Zweimal erhielt Mailer den Pullitzerpreis, erstmals 1969 für seine Reportage über die US-Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg „Heere aus der Nacht“ (seine Solidarität mit dem Widerstand gegen den Krieg der USA gegen Nordvietnam brachte ihm eine Haftstrafe ein); ein weiteres Mal im Jahr 1980 für den Roman „Gnadenlos“, der von der Hinrichtung eines Mörders handelt.   

Mailer, der 1969 als Kandidat der Demokraten an den Vorwahlen für das Bürgermeisteramt New Yorks teilnahm, veröffentlichte kurz vor seinem Tod den Roman „Das Schloss im Wald“. Es ist dies sein Versuch, die Wurzeln des Bösen im Wesen von Adolf Hitler zu ergründen und freizulegen. Dieser Versuch der Individualisierung des Faschismus korrespondiert eng mit Mailers darin formulierter „religionskritischer“ Position, der „Teufel“ selbst sei für die Taten Hitlers verantwortlich.  

 


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Letzte Änderung: 2007-11-11 - Stichwort - Sitemap