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Kuwait und Quatar – Wüste pur |
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Mit dem schwarzen Schleier lose am Kopf saß sie an der Promenade, den Blick auf die Skyline von Dohas Corniche gerichtet. Hinter ihr einige Männer, die unter Palmen, so wie wir, auf dem grünen Rasen Schutz vor der Mittagssonne suchten. Am Morgen, beim Hinausgehen aus unserem Hotel, hatte uns ein warmer Regenschauer überrascht!
Ein Stück abgewandt von der Promenade das Zentrum Dohas, ein Bazaarviertel der Farben, Gerüche und Geschmäcker. Viele Cafes und Restaurants der Arabischen Region laden zum Verweilen, eventuell auch zum Paffen einer Shisha. Betrachtet man die Touristen aus aller Welt mit ihren unterschiedlichen Kleidungsgewohnheiten glaubt man nicht in einem Staat am Persischen Golf zu sein. Freizügig gezeigte Dekolletees schlagen sich mit züchtig, teilweise durchsichtig gehaltenen Gesichtsschleiern der Quataris. Laut schwatzend, nicht immer in Männerbegleitung, machen sie ihre Shopping-Tours. Am späten Nachmittag eröffnen im tiefen Inneren des Bazaars plötzlich die einheimischen Miniläden und Mikrodienstleister – hier glaubt man sich in Scheherazades Geschichte zu befinden und nicht in einem mit moderner Technik ausgestatteten Land. Die Frauen kochen ihre Hühnchen, der Bäcker lockt schon über einige Gassen hinweg mit seinem süßen Duft.
Typische Tiere der Gegend finden wir etwas außerhalb des Zentrums: die berühmten weißen Araberpferde, gleich gegenüber des Palastes des Emirs in den Amiri Stables. Gegen ein kleines Bakschisch an den Dienst habenden Pakistani werden uns die Boxen der Pferde sowie ein sehr junges Fohlen gezeigt. Alles tiptop sauber und geräumig gehalten.
Gemeinsam mit ihren Jockeys traben 2 erwachsene und 2 Jungtiere nebeneinander her; Decken am Rücken und einen Maulkorb aus Stoff tragend, werden sie bewegt. Noch weiter in der Wüste besuchen wir ein Privatmuseum eines Sheikhs der Herrscherfamilie. Dieses umfasst 3 Gebäude in U-Form: ein Museum des Wohnens, der Waffen und der Fahrzeuge. Der Eintritt ist gratis und die Dimension unermesslich. Wir durchschreiten die Gebäude und würden uns solches Museum in der Heimatstadt nur wünschen…
Während wir in Quatar als Touristen begrüßt werden und die diesbezügliche Infrastruktur vorfinden, sind in Kuwait bestenfalls Geschäftsreisende als Einzelreisende bekannt. Dies zeigt sich auch bei der Einreise: während in Quatar die Visagebühr direkt via Kreditkarte abgebucht werden kann, muss in Kuwait in Landeswährung bezahlt werden und der dazu dienliche Bankomat befindet sich im nächst folgenden Gebäude. Wir sind dann umgeben von Tausenden von Gastarbeitern, hauptsächlich aus Asien – diese stellen 80 % der Bevölkerung des Landes - jedoch kaum von ausländischen Besuchern. Die Telegrafenmasten sind übersät von Zimmer- und Wohnungsangeboten für diese Klientel. Trotzdem ist die Erkundung des Landes kein Problem. In Kuwait City gibt es gute Busverbindungen, deren Nummern in „arabischen“ Ziffern die Linie angeben sowie Taxis – „schau, trau, wem“ ist hier angesagt, denn vom Abdecken der Preisanzeige über deren Turbolauf, der dann das Fünffache anzeigt bis zum dreimaligen Kreisen um das Ziel – werden hier alle Register gezogen, um den vermeintlich ahnungslosen Touristen zu neppen. In unserem Reiseführer gibt es täglich Vorschläge, was zu sehen wert ist: am Karfreitag der wöchentliche Flohmarkt 20 min entfernt von unserem Hotel. 3 Stunden treiben wir uns dort herum und lernen viel über Kuwaitische Wohnkultur: Türme von bunten Matratzen sowie kostbare Stoffballen erwarten uns. Polsterfauteuils in Kindergröße sind ebenfalls zu erwerben. Für geräumige Kinderzimmer gibt es Fußbodenbeläge mit Straßenaufdrücken in Meterware aufgerollt. Damit die arabische Frau ungeniert Kleider, welche mit Perlen reich bestickt sind, probieren kann, gibt es Separees aus Tuchwänden gestaltet und mit Spiegeln ausgestattet. Der zugehörige Mann kann sich derweil bei einem Glas Tee die Wartezeit verkürzen. In Scheibtruhen und Karren auf 4 Rollen wird der Einkauf von „Portern“ geschickt durch die Unmenge an Fluren zum Auto geleitet. Nebenan befindet sich der tatsächliche Flohmarkt, auf dem wir sogar ein Akkordeon entdecken! In- und Ausländer machen sich an den Einzelstücken zu schaffen.
Nochmals nebenan der gekühlte Supermarkt, vor dem Dutzende prall gefüllter Einkaufswägen auf die Einkäufer warten, welche sich noch bei einem eisigen Cola im Schnellimbiss von der Strapaze erholen. Gegenüber befindet sich der Fischmarkt der Stadt und man glaubt es kaum: man hat das Gefühl, als könnte man zu jeder Zeit vom Boden essen. Kein Spritzer Blut oder Fischbein sind zu finden. Lediglich die zu Trauben zusammen gerotteten Einkäufer, welche an der Börse gleich mitsteigern, erinnern an einen traditionellen Fischhandel. An Karfreitag besuchen wir natürlich auch eine Kirche. Laut Auskunft im Hotel ist die größte der City gleich neben unserem Hotel zu finden. Ein Riesenkomplex, viele Filippinos und Libanesen sind an zu treffen. Jedoch ist sie restlos überfüllt und die Gläubigen können auch außerhalb der Gebäude die Stimme des Priesters hören. Ein generöser Sheikh stellte in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts das Grundstück zu Verfügung.
Der Strand ist schmal und bevölkert. Die Männer und Buben toben im Sand und in den Fluten; die Damen und Mädchen, oftmals in voller Montur, sitzen im Schatten eines Mäuerchens und bereiten die Picknicks zu. Weiters rasen die jungen Männer über die Stadtautobahnen mit ihren tollen Cabrios, um Eindruck zu schinden und ihrer Langeweile zu begegnen. Öl gibt es ja noch genug. Die Damen sitzen meistens zu Hause oder beschäftigen sich mit Friseur, Kosmetik- und Shoppingbesuchen. Eine indischstämmige Reiseleiterin von 25 Jahren gibt uns Insiderwissen: es gibt Alkohol (erst morgens hatten wir in der einheimischen Zeitung vom Auffinden eines Containers an der Grenze zum Irak, gefüllt mit Red Label Whiskey, gelesen). Auch Prostitution ist zu finden – ganze Häuser mit Damen und dazu gehörenden Belustigungen (Musik, Alkohol) wären zu mieten… Von der großräumigen Zerstörung des Staats im Golfkrieg, bei der die meisten Kuwaitis ungefähr 10 Monate lang Zuflucht bei Verwandten im Ausland suchten, ist dank der Petrodollars nichts mehr zu merken. Wie Phönix aus der Asche wirkt Kuwait City auferstanden und als winziger Global Player präsent. Susanne Wallner | |||
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| Letzte Änderung: 2011-03-15 - Stichwort - Sitemap | ||||