In der vorliegenden Arbeit wurde der Raum des Wienerwaldes als Tourismusregion in der
Umgebung der Millionenstadt Wien in der Zeit vom Bau der Westbahn nach 1860 bis zum
Ersten Weltkrieg dargestellt. Ausgangspunkt der Untersuchung war die These, dass sich die
Region des Wienerwaldes bis 1914 zu einer der am intensivsten genutzten Tourismusregion in
Österreich entwickelte.
Das Bedürfnis der städtischen Bevölkerung nach Bewegung in der Natur und Genuss der
Aussicht von den Bergen rückte den Wienerwald in das Zentrum des Interesses der Touristen.
Die Bahn als Transportmittel erkannten die Wiener Touristen sofort, und begannen sich bald mit
der Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten der Eisenbahn auseinanderzusetzen. Am Beginn
der Entwicklung stand der individuelle- oder Kleingruppentourismus, der nach 1870 von den
organisierten Touristenvertretungen mit Gruppenwanderungen konkurrenziert wurde. Die
Interessensvertretungen der Touristen, wie ÖTK, DÖAV, Verein der Naturfreunde in Mödling,
Verschönerungsvereine, Gemeindevertretungen und überregionale Vertretungen, wie ab 1897
der Wientalverein oder ab 1903 der Landesverband für Fremdenverkehr in Wien und
Niederösterreich, traten mit den Eisenbahnverwaltungen in Kontakt und verhandelten über
Fahrpreise, Fahrplangestaltung, Bau neuer Linien, die Errichtung neuer Stationen,
Werbeaktivitäten und Subventionen. Erst in der Folge, ab den 1880er Jahren, erkannten die
Eisenbahnverwaltungen stärker die Bedeutung der Touristen für die Nachfrage und gingen
immer öfters auf die Wünsche ein, die allerdings den Eisenbahnen abgerungen werden
mussten. Jede neue Trendsportart, wie der Wintersport, führte zu neuen Verhandlungen
hinsichtlich der Mitnahme der Sportgeräte in der Eisen- und Straßenbahn. Nach langjährigen
Verhandlungen konnten auch dafür Lösungen, wie eigene Straßenbahnzüge für Wintersportler,
Sportzüge und Wintersportwaggons gefunden werden.
Hinsichtlich der Entwicklung touristischer Aktivitäten ging die Initiative von den touristischen- und
Verschönerungsvereinen und einzelnen Privatpersonen aus, die bis ca. 1900 die alleinigen
Träger der Entwicklung im Wienerwald waren. Die ersten Handbücher zur
Tourismusentwicklung wurden als solche nicht akzeptiert, und der lokale und regionale
Egoismus dominierte die Situation. In Niederösterreich gelang erst 1903 die Gründung des
Landesverbandes, der sich intensiv um die weitere Entwicklung kümmerte. Erst 1908 nahm sich
die Regierung mit einem eigenen Departement für Fremdenverkehr der Sache an und stellte ein
eigenes Budget zur Verfügung. Damit begann auch die nachhaltige Konzeption der „Erziehung
der Bevölkerung für den Fremdenverkehr". Das duale Prinzip, einerseits die Schule als Ort der
Tourismusbildung zu etablieren, andererseits die Mitarbeiter der Tourismuswirtschaft weiter zu
schulen, erscheint als Grundlage der gegenwärtigen relativen Unabhängigkeit der
österreichischen Tourismuswirtschaft von internationalen Reiseveranstaltern und
Reisevermittlern. Noch 1912 wurde das Thema Tourismus als Unterrichtsprinzip in den
Pflichtschulen eingeführt. Das dezentrale Konzept der „Wanderkurse und
Wanderversammlungen", in deren Rahmen Referenten des Landesverbandes und des
Ministeriums für öffentliche Arbeiten nach 1908 in den einzelnen Orten Niederösterreichs und
damit auch im Wienerwald die Bevölkerung weiterbildeten, wurde zu einem Erfolg.
Wie bei allen gemeinnützigen Tätigkeiten, so war auch die Finanzierung der touristischen
Einrichtungen ein Problem. Mit Spendensammlungen, Suche von Sponsoren, und dem Kampf
um Subventionen durch die öffentliche Hand wurde versucht, die Finanzierung sicherzustellen.
Der Erfolg war sehr unterschiedlich. Die Spenden und Sponsorgelder waren abhängig von der
Finanzkraft der Mitglieder der Vereine und der Bewohner der Regionen. Wichtig waren aber
auch die persönlichen Kontakte zu Entscheidungsträgern und finanzkräftigen Personen.
Unterschiede lassen sich zwischen den Kapazitäten des Vereins der Naturfreunde in Mödling
und anderen Organisationen feststellen. Im Bereich der Südbahn konnten viel mehr finanzielle
Mittel in kürzerer Zeit bereitgestellt werden als in anderen Regionen.
Ein zentraler Punkt der Tourismusentwicklung war die Verbesserung der Qualität der
Gastronomie und Hotellerie. Die Vereine, wie ÖGV, TVN und Sektion Wienerwald des ÖTK
kooperierten mit den Gasthäusern im Wienerwald und stellten den von ihnen als gut
klassifizierten Betriebe Raum für Inserate in den Vereinszeitschriften zur Verfügung.
Die Sektion Wienerwald entwickelte in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts ein
Gütesiegel für die Sektionswirte, das diese den Touristen gegenüber als geprüfte Betriebe
auswies. Mit diesen Aktivitäten konnte die städtische Kultur in den ländlichen Raum transferiert
werden. Um 1910 begann die von der Regierung geförderte Durchführung der
gastwirtschaftlichen Kurse für die Mitarbeiter der Tourismusbranche, die auch in
Niederösterreich für Teilnehmer aller Regionen abgehalten wurden.
Die Bearbeitung der touristischen Märkte rückte mit der Zunahme der Zahl der Touristen nach
1890 in den Mittelpunkt des Interesses. Die Werbung wurde nach 1903 über den
Landesverband in Niederösterreich zentraler organisiert. Betriebe schalteten Inserate, der
Landesverband gab einen Sommerfrischeführer, einen Wintersportführer und einen
Wintersportkalender heraus, beziehungsweise unterstützte die Gemeinden bei der Erstellung
von Ortsprospekten. In Wien entstand ein Auskunftsbüro des Landesverbandes, das 1913
schon ganz professionell, in Abteilungen unterteilt, geführt wurde und 22 Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen beschäftigte. Die Teilnahme an internationalen Ausstellungen, wie in Berlin
1911, sollte auch den Wienerwald in das Blickfeld des internationalen Publikums bringen.
Um 1900 lassen sich im Wienerwald alle möglichen Strömungen der Tourismuswirtschaft
beobachten. Die Tourismusvereine erschlossen den Wienerwald mit einer großen Zahl von
Aussichtswarten, Schutzhütten und Wegen, die auf hunderten von Kilometern auch markiert und
in Stand gehalten wurden. Dies, in Kombination mit den reduzierten Fahrpreisen auf der
Westbahn, ermöglichte den Massentourismus nach 1890 und eine erste Form der egalitären
Landschaftsnutzung in der Umgebung von Wien. Bis zu 10 Millionen Menschen dürften um 1910
pro Jahr den Wienerwald in der Freizeit aufgesucht haben.
Die „In–Sportart" Wandern wurde ab 1890 durch den Radsport abgelöst. Ab dieser Zeit fuhren
tausende Touristen mit dem Fahrrad durch den Wienerwald. Die Radfahrvereine organisierten
die Beschilderung der Straßen, kümmerten sich um die Verbesserung der Straßen und richteten
die ersten Radfahrergasthöfe für ihre Mitglieder ein. Diese dienten zur Versorgung der
Radfahrer und waren Stützpunkte zur Pannenhilfe. Viele Radrennen zeigen die Bedeutung und
die Beliebtheit dieser Sportart.
Fast zeitgleich mit dem Radsport hält der Wintersport im Wienerwald Einzug. Die ersten
Schiveranstaltungen am Beginn der neunziger Jahre läuteten eine neue Epoche ein. Erst nach
1905 wurde der Winter zu einem zweiten Standbein der Tourismusorte im Wienerwald. Die
Wanderwege wurden vom Schnee gesäubert, in vielen Orten, wie am Anninger, berühmte
Rodelbahnen angelegt und auf den Wienerwaldwiesen Wintersportplätze mit Sprungschanze,
Schiwiese und Rodelbahn eingerichtet. Schifahren war ein Wiener, städtischer Sport geworden.
Mit der Straßenbahn und den Lokalzügen wurden die Wintersportzentren in Hütteldorf oder
Kaltenleutgeben erreicht. Der Wienerwald konnte auch von den Tourenfahrern entdeckt werden
und wurde viel befahren.
Die Extremsportart Klettern konnte ebenfalls im Wienerwald in den Wänden des Peilsteins oder
in der Klause in Mödling ausgeübt werden.
Die nächste Sportart, die den finanzkräftigeren Schichten vorbehalten war, war der Motorrad-
und Automobilsport. Im Wienerwald fanden Motorradrennen und Automobilwertungsfahrten
statt.
Für viele sportliche Touristen war der Wienerwald ein Trainingsgebiet für die Aktivitäten im
Hochgebirge, und die stadtnahe Möglichkeit Kondition zu entwickeln. Der Wienerwald bot aber
auch einen Ersatz der Hochalpen für finanzschwache Touristen, die sich vor den Toren der
Stadt alpine Erlebnisse holen konnten.
Dauerte der Produktzyklus, von einer snobistischen, teuren Sportart zu einer Massenbewegung
des Wandersportes von 1800 bis ca. 1890, so verkürzte sich diese Zeit beim Radtourismus auf
die Zeit von 1880 bis 1910 und beim Schifahren von 1890 bis 1910. Die Entwicklung ging immer
rasanter und immer neue Sportarten, wie Tennis, tauchten im Wienerwald auf.
Die klassische Sommerfrische hatte im Wienerwald die Hochblüte von 1860 bis 1890. Die Orte
wurden für den bürgerlichen Sommeraufenthalt am Land genutzt. Um 1900 ist diese
Entwicklung mit allen Strömungen der Tourismuswirtschaft überlagert worden. Die einzelnen
Gemeinden wurden Sommerurlaubsorte, die ein reichhaltiges Angebot an Sport- und
Unterhaltungsmöglichkeiten den Besuchern boten. Der Weg zu den Wohnvororten war schon
vorgezeichnet.
Neben den Sommergästen, die oft eine ganze Saison blieben, entwickelte sich aber auch der
Kurzurlaub. Für dieses Nachfragesegment erstellte der Landesverband für Fremdenverkehr
Packages für einen einwöchigen Aufenthalt in Baden. Auch in der Sommerfrische zeigt sich die
Egalität der touristischen Entwicklung besonders an der Westbahn, wo die Preise niedriger als
an der Südbahn waren. Alle Schichten, auch Arbeiter, sind unter den Sommergästen um 1910
zu finden. Die Nähe der Orte zur Stadt Wien bot die Möglichkeit, der Arbeit als Tagespendler
nachzugehen.
Genutzt wurde der Wienerwald auch von Besuchern der Stadt Wien. Kongressteilnehmer
wurden in den Wienerwald geführt, Fremdenausflüge sollten Ausflugsmöglichkeiten bieten und
Autobusgesellschaftsreisen führten die Gäste aus Wien ins Umland der Stadt.
Die Position von Frauen im Tourismus war von der Stellung und der Finanzkraft abhängig. Viele
Frauen fanden in der Gastronomie Arbeit, denn die Tourismuswirtschaft hatte den höchsten
Frauenanteil an den Beschäftigten in Österreich. In den Tourismus- und Sportvereinen waren
Frauen als Mitglieder tätig, hatten aber keine Führungspositionen inne. Alleinreisende Frauen,
die die finanziellen Möglichkeiten dazu hatten, konnten in den Wienerwaldorten um 1910
beobachtet werden. Die Verwischung der Grenzen zwischen den Geschlechtern und deren
andeutungsweise Gleichstellung sind durch die Finanzkraft, oder die Teilnahme an den
sportlichen Aktivitäten, die oft eine Überlegenheit des „schwachen Geschlechts" zeigten,
erklärbar. In der Sommerfrische dominierten die Frauen, da die Männer oft nur am Wochenende
zur Familie stießen.
Konflikte zwischen den Bereisten und den Reisenden kennzeichnen die Anfangszeit des
Tourismus im Wienerwald. Zerstörungen der Wege und Markierungen, Einbrüche in
Schutzhütten oder auch Angriffe auf die körperliche Sicherheit der Touristen waren möglich. Die
alpinen Vereine organisierten humanitäre Aktivitäten und versuchten so sich das Wohlwollen der
Bevölkerung zu sichern. Zu Weihnachten wurden im Wienerwald viele Kinder eingekleidet,
Suppenküchen unterstützt und Weihnachtsfeiern in Wienerwaldorten finanziert. Der soziale
Unterschied und die Distanz zwischen Stadt und Land war groß. Die touristischen Vereine
hatten das Ziel, diesen Unterschied zu mildern und die städtische Kultur in die Alpen zu bringen.
Der zunehmende Massentourismus brachte auch eine Zunahme der Unfälle, bedingt durch die
Gefahren, die Klettern, Rodeln, Radfahren oder Schifahren mit sich brachten. Klettern war
deswegen sehr umstritten und wurde auch nicht subventioniert.
Die nationalistischen Entwicklungen um 1910 führten auch im Wienerwald zu antitschechischer
Agitation, an der sich besonders der ÖGV beteiligte, aber auch zu antijüdischen Aktivitäten. Der
Tourismus wurde von deutschnationalen Organisationen für ihre Zwecke instrumentalisiert, und
erschien vielen Menschen als Möglichkeit, die Verteidigung nationaler Besitzansprüche zu
artikulieren.
Ein großes Problem dürfte der Alkoholkonsum der Touristen gewesen sein. Viele
Unternehmungen endeten im Gasthaus und führten zum Konsum größerer Mengen an
alkoholischen Getränken.
Für die Umwelt hatte der Massentourismus um 1900 schwerwiegende Folgen. Der Müll der
Touristen, und die Schädigung der Flora führten zu ersten Pflanzenschutzaktivitäten. Die
Tourismusorganisationen, aber auch die Bewohner der Sommerfrischeorte erkannten die Natur
und insbesondere den Wald als Grundlage der touristischen Entwicklung und setzten sich in
Petitionen an das Ackerbauministerium für die Erhaltung des Hochwaldes im Wienerwald ein.
Diese Eingaben hatten auch immer wieder Erfolg.
Diese Entwicklung zu einem differenzierten touristischen Markt fand durch den Beginn des
Krieges 1914 ein jähes Ende und im Bereich des Wienerwaldes auch keine adäquate
Fortsetzung. Die Hotels wurden gemäß eines Erlasses des Arbeitsministeriums 1914 für Kranke
und Verwundete zur Verfügung gestellt.
Die Wienerwaldwanderer verliefen sich spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg in entferntere
Regionen. In der Gegenwart sind viele Einrichtungen verfallen, die meisten Gasthäuser, wie die
einst beliebten Ausflugsgasthäuser am Troppberg, Pfalzberg, in Schwabendörfl, in der
Aggsbachklause oder in der Baunzen mussten nach 1970 für immer schließen, und viele Hotels
sind entweder nicht mehr vorhanden, zu Wohnhäusern wie in Maria Anzbach umgebaut, oder
wie in Rekawinkel und Neuhaus verfallene Ruinen. Die Orte haben sich nach der Welle des
Zweitwohnungswesens der Wiener ab den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts zu beliebten
Wohnorten in der Nähe von Wien entwickelt.
Der Wienerwald zeigt sich gegenwärtig im zentralen Bereich in weiten Teilen als eine verlassene
und einsame Region, die auf die Wiederentdeckung wartet. Der einsame Wanderer der
Gegenwart kann sich die Massenbewegungen vor hundert Jahren kaum vorstellen.
Alles schon da gewesen? - Die Gegenwart der Vergangenheit im Tourismus
Beim Studium der Tourismusentwicklung im Wienerwald vor 100 bis 150 Jahren fällt auf, dass
es viele Aktivitäten, die scheinbar in der Gegenwart neu sind, schon damals gegeben hat. Das
differenzierte Fußwanderangebot für verschiedene Zielgruppen erinnert an die Gegenwart.
Familien-, sportliche, Nacht-, Winter-, kulturelle oder naturkundliche Wanderungen sind heute
Angebote in vielen Tourismusorten. Das moderne Schluchting hat den Vorgänger in dem
Angebot Quellenwandern.
Die gegenwärtig so moderne Animation fand ständig auf den Vereinsausflügen der alpinen
Vereine statt, da man sich gegenseitig unterhielt. Das Konzept der Kinderanimation war auch
schon bekannt, und geprüfte Kindergärtnerinnen beaufsichtigten Kinder bei Ausflügen. Die
heutigen Kinderhotels sind somit schon vorweggenommen.
Die Radfahrergasthöfe finden ihre gegenwärtige Entsprechung in den Bikerhotels, die es überall
in Österreich heute gibt. Die Wintersportplätze waren frühe Funparks und die
Angebotsmischung vor 1910 für den Winterurlaub wurde gegenwärtig neu erfunden. Die
Mitgliedskarten der Vereine wurden als Vorteilskarten, die Ermäßigungen boten, aber auch als
gegenseitige Benützungslegitimationen auf den Wintersportplätzen genutzt. Moderne
Vorteilskarten und Großraumkarten waren in Ansätzen schon vorhanden.
Mountainbiken ist keine neue Erfindung. Als Alpines Radfahren wurde es schon vor 1900
propagiert und im Wienerwald durchgeführt. Selbst die heutigen Radwege im Wienerwald, wie
von der Baunzen nach Wolfsgraben, folgen alten Radwegen aus der Zeit vor 100 Jahren. All
inclusive Angebote gab es für die Touristen schon um 1910. Mit Gutscheinheften, heute modern
Voucher genannt, konnte das Programm vor Ort, wie in Baden, konsumiert werden.
Im Bereich des Marketings gab es vor 100 Jahren viele moderne Ansätze. Teilnahmen an
internationalen Ausstellungen, Ausstellungen in Wien, Werbung in Eisenbahnen, Plakate in
Wien, Prospekte und Führer wurden je nach Saison und jährlich aufgelegt. Selbst die
Differenzierung nach lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Werbung, und die
Zuweisung an die verschiedenen Verwaltungsebenen wurden angedacht und auch ansatzweise
umgesetzt. Eventmarketing, heute ganz modern, führten die Schivereine schon durch.
Umwegrentabilitäten waren schon bekannt. Merchandising, um das Produkt besser zu
platzieren, war bei den Tourismusvereinen üblich und wurde angewandt. Gasthäuser als
touristische Leitbetriebe übernahmen die Vermittlung von Sommerwohnungen in der Umgebung
des Betriebes und dienten auch als Auskunftsstellen.
Diese Organisation der Unterkunftsvermittlung wurde und wird in der Gegenwart im Waldviertel
angewendet. Die vom Landesverband für Fremdenverkehr durchgeführten Abteitouren in
Niederösterreich finden ihre gegenwärtige Entsprechung in der Angebotsgruppe „Klösterreich"
der Österreich-Werbung. Die Sanatorien im Wiental können als erste Wellnesseinrichtungen,
aber auch als Vorläufer des Cluburlaubs angesehen werden. Die Gäste wurden in einem
abgeschlossenen Komplex betreut und fanden vor Ort alle notwendigen Einrichtungen.
Qualitätsentwicklung in der Gastronomie wie das „niederösterreichische Wirtshaus" oder die
„Traunseewirte" hat den Vorläufer im Qualitätsgütesiegel für Sektionswirte der Sektion
Wienerwald des ÖTK. Selbst das Wohnmobil hat mit dem Automobilreisewagen schon seinen
Vorfahren vor 1900.
Die Aktivitäten und schulischen Kooperationen des Vereins zur Pflege des Jugendspiels finden
in Form der Unternehmen, die gegenwärtig „Outdoor Activities" für die österreichischen Schulen
anbieten, wieder statt. Der Wienbesuch von Schülern aus den Kronländern weist den Weg zu
den „Wienwochen" der Bundesländerschulen der Gegenwart. Auch die gegenwärtig so
modernen Angebote für Lernferien lassen sich schon vor dem ersten Weltkrieg feststellen.
An den humanitären Aktivitäten der alpinen Vereine vor mehr als 100 Jahren im Wienerwald
könnten sich viele gegenwärtige Reiseveranstalter ein Beispiel nehmen. Die Verantwortung für
die „Bereisten" in der Peripherie der Weltwirtschaft (Entwicklungsländer) könnte auch in der
Gegenwart übernommen werden.
Offen bleibt die Frage, wieso es zu einem Wissens- und Kenntnisverlust in der
Tourismuswirtschaft kommen konnte, und viele Aktivitäten des touristischen Managements und
Marketings erst in der Gegenwart neu entdeckt werden. Nach den wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Problemen und Wirren die zwei Weltkriege erzeugten, kommt es erst ab der Mitte der
1980er Jahre, bedingt durch den allgemeinen Wohlstand, und nach den Einbrüchen bei den
Nächtigungszahlen ab 1993 in Österreich zu einem differenzierten touristischen Marketing, das
an die Entwicklung, wahrscheinlich ohne historischem Wissen der Tourismusmanager, vor mehr
als 100 Jahren anschließt.