|
|
|
Stellungnahme zum Stadtentwicklungskonzept |
|
|
| |||
|
|
ADRESSEN FORUM GABLITZ GASTRONOMIE GEMEINDE GESUNDHEIT HILFE / INTERN KLEINANZEIGEN KULTUR SOZIALES SPORT / FREIZEIT STADTPOLITIK · Bauen-Umwelt · BI-Wurzbachtal · Gemeinderat · GR-Sitzungen · Grüne · Liste Baum · Netzwerk · Newsletter · SOS Wienerwald · SJ Purkersdorf · Stadtentwicklung · Wahlen · Wienerwaldkonferenz TERMINE VERKEHR VERMISCHTES WIRTSCHAFT
|
Mag. Josef Baum, 10.10.2002
Generell ist die vorliegende Grundlagenerhebung und der Entwurf für ein Entwicklungskonzept im Rahmen der Neufassung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans etwas positiver zu beurteilen als der Entwurf, die mit ca. 30 Seiten im März 2002 vorgelegt wurden: Es sind einige zusätzliche konkrete positive Maßnahmen darin enthalten, es gibt nun seit Juni 2002 auf der Gemeinde die Grundlagenerhebung, darin sind zweckmäßigerweise auch eine Stärke-Schwächen-Analyse, und eine Übersicht über realisierte und nichtrealisierte Maßnahmen aus dem Entwicklungskonzept 1992 enthalten. Generell ist festzustellen, dass wichtige vorliegende Grundlagendaten und Materialien nicht berücksichtigt wurden, dass die berücksichtigten Daten und Grundlagen formal und wenig analytisch bearbeitet worden sind und dass etliche positive Ziele angegeben werden, diese aber unverbindlich, nicht abrechenbar und somit verschwommen bleiben. Nicht berücksichtigt wurden etwa das europäische Raumordnungskonzept (EREK), das neue österreichische Raumordnungskonzept aus dem Frühjahr 2002, die laufenden Arbeiten zum neuen nö Raumordnungskonzept, die Entwicklungsstudie für den Raum St.Pölten Bratislava, das regionale Entwicklungskonzept NÖ-Mitte mit dem Abschnitt Wienerwald, und zu Purkersdorf selbst diverse Publikationen des Statistischen Zentralamts und der Wirtschaftskammer etwa diverse Untersuchungen und Arbeiten zum Purkersdorfer Hauptplatz. Ein wesentlicher Mangel besteht darin, dass durchgehend fast nirgends versucht wird, Gründe dafür darzustellen, warum einige wichtige positive Vorgaben des letzten Entwicklungskonzeptes nicht realisiert wurden. Daraus kann jedoch abgeleitet werden, dass nun auch die angeführten Ziele nur zu unverbindlichen Floskeln werden. Jenseits der deskriptiven Darstellung wäre eine Analyse auch im Hinblick auf den Entwicklungsvergleich mit der Bezirks-, Landes- und nationalen Ebene zweckmäßig. Eine der schwersten Mängel des Konzeptes besteht darin, dieser Entwurf eines Stadtentwicklungskonzeptes weder analytische noch konzeptionelle Aussagen zum Zentrum umfasst. Das Zentrum einer Stadt ist das Wesentlichste und gerade in Purkersdorf in einer schweren Entwicklungskrise mit schwerwiegenden Folgen. Eine Stadtentwicklungskonzept ohne Aussagen zum Zentrum ist wie Sexualität ohne Körperkontakt und daher ungenügend.
Kapitel Siedlungsentwicklung Bei der Bevölkerungsentwicklung wäre die langfristige Vervielfachung der Bevölkerungszahl im 20. Jahrhundert und die daraus sich ergebenden Probleme: z. B. mangelnde Kenntnisse der lokalen Umwelt und Entwicklung; relativ geringe Identifikation zu analysieren. Nicht berücksichtigt wurden vorliegende Statistiken der Herkunft der Zuwanderer sowie auch die Abwanderungszielgemeinden. Interessant wäre auch die vorliegende Entwicklung des Ausländeranteils und seiner Analyse. Weiters ist die Zusammensetzung nach Geschlechtern nach Altersstufen in Purkersdorf bemerkenswert unterschiedlich und sollte untersucht werden.
Es wird prognostiziert, dass der Anteil der über 60-Jährigen "sehr stark steigen" wird. Dies hängt jedoch sehr von der weiteren Wanderungsdynamik ab: wenn weiter hauptsächlich jüngere Menschen zuwandern, so ist diese Prognose ein mögliches Szenario von vielen. Es wären jedenfalls aufgrund der grundsätzlichen Unsicherheiten der Zukunft meist sinnvollerweise diverse Szenarios anzugeben. Es wird die bisherige Bevölkerungsentwicklung fortgeschrieben (Die Methode wird in der Bestandserhebung kurz dargestellt): 11.000 Gesamteinwohner für das Jahr 2011, 1.600 Zweitwohnsitzer. Gerade die Purkersdorfer Entwicklung zeigte, dass die Bevölkerungsentwicklung selten geradlinig linear war. Die Ableitung der Prognose der Zweitwohnsitzer beruht auf besonders einschränkenden Annahmen. Auch hier wären daher mehrere Szenarios sinnvoll. Interessant ist die nur in der Grundlagenerhebung angegebene theoretisch auf Grund der Widmung möglich scheinende Einwohnerzahl: sie wird mit 25481 angegeben. Davon werden dann 40 % abgezogen; wegen Nebengebäude, Geländebeschaffenheit. Allerdings sind die 40 % eher nicht nachvollziehbar. Dadurch kommt dann jedenfalls eine reale "theoretische Einwohnerzahl" von 15289 zustande.
Abschnitt "Deutlicher Anstieg der Berufstätigkeit"
Abschnitt Pendler
Abschnitt Wohnungen
Abschnitt Bauland Interessant ist die Angabe der Baulandreserven (36 ha = 36 % des gewidmeten Baulandes). Es heisst dann, dass die "Baulandreserven über das gesamte Gemeindegebiet verteilt sind". Hier fehlt als wichtige Ergänzung, dass diese Baulandreserven eben nicht gleichmäßig verteilt sind und z.B. in den eigentlich wenig geigneten Teilen (PKW notwendig) Baunzen (60 ha und Sagberg (40 ha) liegen, wie aus der Flächenbilanz der Bestandserhebung hervorgeht.
Abschnitt geschätzter Baulandbedarf
Abschnitt Fragebogenaktion
Abschnitt Klimabündnis
Abschnitt Siedlungsentwicklung - Entwicklungskonzept
Positiv ist, dass das Grundprinzip der "nachhaltigen Stadtentwicklung festgehalten wird. Allerdings ist dieser Begriff kaum erklärt bzw. operationalisiert. Es heißt, es "sollte die Bevölkerungszahl konstant gehalten werden". Dies ist zunächst eine interessante Aussage, aber wie bekannt müsste dargestellt werden, was dazu notwendig wäre. Es würde sich herausstellen, dass es unter den derzeitigen gesetzlichen Möglichkeiten praktisch unmöglich ist. Weiter heißt es, dass "nach dem Willen der Gemeindevertreter 10.000 Personen nicht wesentlich (zu) überschreiten" wären. Wenn dies ein Ziel ist, so müsste - soll dies keine Floskel bleiben - das genau konkretisiert werden oder eben unter den gegebenen Bedingungen als schwierig machbar dargestellt werden. Weiters heisst es: "Rückwidmungen von Bauland in Grünland sind - abgesehen von möglichen Entschädigungskosten - aufgrund der Kleinteiligkeit und der Verteilung der Baulandreserven nur in ganz wenigen Ausnahmefällen möglich. Die bisherige Strategie, entlang der Entwicklungsachsen Bauland-Kerngebiete zu widmen, um eine kleinteilige Nutzungsmischung zwischen Wohnen und Arbeiten zu fördern, hat nicht immer den gewünschten Effekt gezeigt. Anstelle von gemischten Nutzungen entstanden oftmals reine Wohnnutzungen. Um diese Entwicklung zu unterbinden und um eine Nutzungsmischung zu erzwingen, werden gewidmete Kerngebiete, die sich für Wohnen nur bedingt eignen, dem Wohnbauland entzogen und mit einer Betriebsgebietswidmung (ggf. mit Zweckbindung) zu versehen. Die Bebauungsdichte in nahezu allen peripheren Siedlungsteilen wird verringert und bildet so ein Regulativ hinsichtlich der Nutzung des Wohnbaulandes."
Zu erklären wäre jedenfalls, warum die bisherige Zielsetzung offenbar nicht umgesetzt wurde. Die Neuorientierung scheint grundsätzlich zweckmäßig, wäre aber - um nicht erneut mangels Absicherung zu scheitern - zunächst zu begründen, dann hinsichtlich von Beispielen in anderen Gemeinden abzusichern und bezüglich sich konkret stellender Umsetzungsprobleme zu erörtern.
Abschnitt Baulandreserven Aus dem Text ist nicht ersichtlich, was genau unter "Ausweisung linearer Siedlungsgrenzen entlang der Siedlungsränder Süßfeld/Feilerhöhe/Ziegelfeld zu verstehen ist. Hier wäre ein skizze oder ein Plan sinnvoll... Abstimmung der Bebauungsdichte mit den Einzugsbereichen des öffentlichen Verkehrs ist eine sehr wichtige positive Maßnahme. Rückwidmung von Teilen der Wintergasse 39 und 41-43 ist sicher grundsätzlich positiv.
Kapitel Stadtgestaltung
Zusammenfassung (Urich)Vorausgeschickt sei, dass nicht wirklich was "Falsches" drinsteht - aber es steht halt auch nicht wirklich "Etwas" (konzeptionelles Leitbild) drin. Die Kernaussagen sind Erhalten (Kleinstadtcharakter) und Bewahren (des kulturellen Erbes). Zumindest vom Stadtentwicklungskonzept würde ich mir etwas mehr Phantasie, Innovation, Mut etc. erwarten. Offenbar sind Flächenwidmungs- und Bebauungsplanung, welche schon detailliert eingeflossen zu sein scheinen halt nicht unbedingt förderlich, wenn man ein Zukunftsszenario entwerfen soll.Öfters ist die Summe aller gutgemeinten Punkte eine "Nullnummer": Z.B. wenn von einer maximalen Bebaubarkeit in Abhängigkeit der Grundstücksgröße gesprochen wird (lt. der beigelegten Tabelle immer 150 M2, egal wie groß die Parzelle ist!?) und gleichzeitig die Förderung der Verdichtung in ausnahmslos allen Baulandgebieten gefordert wird; oder wenn in allen Kapiteln die Wiederbelebung des Stadtkerns gefordert wird (aber wie???), dem Schlafstadtimage entgegengetreten werden soll (sogar im Kapitel Tourismus ist zu finden: Wienbesucher, die in Purkersdorf nur übernachten), aber in den einzelnen Bereichen hierfür kaum Ansätze erkennbar sind. Wenn man zum Schluss kommt, dass die Schlafstadt ohnehin das angestrebte Ziel ist, sollte man sich offen dazu bekennen und die Konsequenzen ziehen (vermutlich wäre dann, um dem finanziellen Debakel zu entkommen, sollte sich nicht bundesweit an der Dotierung der Gemeindekassen etwas ändern, die Eingemeindung in den 14. Bezirk die realistische Option!). Wenn man aber eine eigenständige Stadtgemeinde als Ziel des Stadtentwicklungskonzeptes vor Augen hat, sollten die dazu erforderlichen möglichen Maßnahmen/Szenarien überlegt und dargestellt werden. D.h. Leitziele definieren wie z.B. Purkersdorf als zentraler Ort eines National- oder Biosphärenparks Wienerwald samt Ausbau von Bildungs- und Kulturinfrastruktur, Bahnhofsbereich Unterpurkersdorf: Kooperation mit ÖBB, VÖEST, HL-AG suchen -> Betriebsansiedlungen für spezielle Bereiche gezielt fördern etc. Eine engere Kooperation mit den ÖBB wäre auch in Bezug auf das geteilte Stadtbild und den Lärmschutz nicht unwesentlich.
Kapitel WirtschaftAbschnitt Land- und ForstwirtschaftHier wird festgestellt, dass 13 Land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit insgesamt 43 Arbeitskräften in Purkersdorf existieren. Hier müßte in jedem Fall klar gestellt werden, dass ausser der Waldbewirtschaftung durch die Gemeinde Wien und durch die ÖBF (das ist angeführt) de facto maximal zwei landwirtschaftliche (Neben-)Erwerbsbetriebe bestehen, die diesen Namen tatsächlich verdienen. Der Rest dürfte in tradierten Proforma-Betrieben bestehen. Dies ist hinsichtlich der sehr sensiblen Bewirtschaftung der wenigen noch bestehenden Wiesen ein wichtiger Punkt.
Abschnitt Verlagerung ... zum Dienstleistungssektor
Abschnitt "Generelle Trends im Einzelhandel" Dazu gibt es für Purkersdorf einiges an Unterlagen und allgemein sehr viel Literatur, die gerne zur Verfügung gestellt werden kann. Tourismus stagniert Auch hier fehlt eine Analyse , allgemeine Zielsetzungen gab es ja schon viele. Faktum ist, dass es nur eine minimale Koordinierung einzelner insgesamt für sich selbst positiv agierender Unternehmen gibt.
Abschnitt Betriebsbauland
Geschätzter Baulandbedarf
Wirtschaft - Entwicklungskonzept
Abschnitt Entwicklungstrends Der Satz "Der Trend zum Einkaufen als Freizeiterlebnis ist zu berücksichtigen" ist angesichts der realen Situation etwas realitätsferne. Hier sollten die Fehler der letzen zehn Jahre klar benannt werden und daraus Konsequenzen gezogen werden ...
Nahversorgung Es fehlt die Analyse der Entwicklung in den letzten zehn Jahren, die zum Schließen diverser Geschäfte der Nahversorgung in der Wintergasse, in der Bahnhofstraße und in der Linzerstraße geführt hat. Es fehlt die Darstellung, dass die Nahversorgung etwa in Neupurkersdorf ohne Motorisierung sehr prekär geworden ist. Es fehlt die Darstellung, warum das "Subzentrum gegenüber der Postsiedlung aus dem Entwicklungskonzept 1992 sang- und klanglos vergessen wurde. Und anderes.
Kapitel Intakte Umwelt
Abschnitt Fließgewässer Es heisst: "Entlang dem Wienfluss sind die Hochwassergefährdungsbereiche im Flächenwidmungs- und im Bebauungsplan eingetragen. In Absprache mit der Freiwilligen Feuerwehr Purkersdorf werden die sieben bisher ausgewiesenen Gefährdungsbereiche um weitere zwei ergänzt (Mindersiedlung im Bereich Uferstraße, sowie der östlichste Teil der Postsiedlung, Wohnhaus Jüptner)". Insbesondere aufgrund der Hochwassererlebnisse 97 in Purkersdorf wie jüngst in Niederösterreich allgemein, ist diese Ausführung ungenügend. Es ist naheliegend, dass "Hochwassergefährdungsbereiche" nicht nur dem Augenschein entsprechend in Pläne eingetragen werden sollen, sondern aufgrund fachlicher Analyse. Faktum ist, dass wir durch die Gefahrenzonenplanung in Purkersdorf nun für die kleinen Bäche fachlich ausgewiesene rote und gelbe Zonen haben, jedoch nicht für den Wienfluss und Gablitzbach. Die Erfahrung zeigt z. B., dass die Hauptgefahrenpotentiale natürlich entlang der Hauptfließgewässer Gablitzbach und Wienfluss liegen. Daher ist für diese zwei Fließgewässer so schnell wie möglich in derselben Qualität der Gefahrenausweisung auszustellen, wie für die kleinen Bächlein. Darüber hinaus erscheint es notwendig, dass im Sinne des Klimawandels und abzusehender Entwicklungen nicht nur Gefährdungen aufgrund der Statistik der vergangenen Jahre zu Hilfe genommen werden, sondern die offenbar zunehmende Zahl von Witterungsextremereignissen berücksichtigt wird und auch die Auswirkungen dieser Tendenz auf die verstärkte Gefahr von Hangrutschungen analysiert werden. Dies ist gerade in Purkersdorf bei verbreitetenVerbauung von Hängen sehr wichtig. Allgemein fehlen im Umweltbereich diverse wichtige Punkte (die ungenügende Ausführung zum Klimabündnis wurde schon erwähnt). Der sich abzeichnende Biosphärenpark für den Wienerwald soll ein ganz zentraler und integrierender Nenner für das Purkersdorfer Entwicklungskonzept sein. Ein grundlegender Mangel sind fehlende Ausführungen zur zentralen Frage Energie und Verbesserung der Energieverwertung.
Luftgüte
Abschnitt Versiegelung von Bodenflächen
Abschnitt Wienerwaldwiesen
Gebäudeausrichtung
Abstandsflächen von Waldrändern
Uferfreihaltezonen
Sonstiges Auf S.4 der "Umsetzung des Entwicklungskonzeptes" wird gemeint, dass die Umstellung auf Gas klimamäßig etwas positives ist. Dies trifft leider im Kern nicht zu. Im Gegenteil: das umfassende Gasnetz verhindert zur zeit die Umstellung auf wirklich zweckmäßige nachwachsende Energieträger. Was jedenfalls fehlt, ist das angepeilte Handymastenkonzept. (in erster Version dazu kurz auf Seite 21) Nicht gefunden wurde auch eine Analyse der Purkersdorfer Enklave Wurzbachtal. Gerade in den letzten Monaten wäre das für die BürgerInnen dort wichtig gewesen. Merkwürdigerweise ist auch zu den in den letzten Jahren doch sehr wichtigen Entwicklungen um das Sanatorium nicht zu finden. In der ersten Version war auch noch die längerfristige Absiedlung des Holzlagerplatzes in der Wintergasse angeführt. Jetzt habe ich das nicht gefunden. | |
|
| |||
| Letzte Änderung: 2002-10-10 | |||