Purkersdorf Forum Beiträge Forum | HOME  

Josef Baum ® (baum.josef@utanet.at) sagt am 07.11.2011 09:31 zu chronista ®:
Nächster Beitrag

Aus dem Gfrett was Gscheites machen

> Wa net Wien (purkersdorf...)waun net duat wo ka gfrett is ans wurt...

Finde ich sehr originell im Sinne eines Weinheber-Zitats, und ich
möchte meine Interpretation dazu darlegen:
Das Ganze hätte ja leicht ohne Gfrett weitergehen können, wenn die
wiederholten Hinweise, siehe Bina, beachtet worden wären, das liegt
leider zunächst an der in jeder Beziehung satten absoluten Mehrheit, die
ein Entwicklungshemmnis ist. Wahrscheinlich ist das auch nicht nur nicht
beachtet, sondern auch nicht oder kaum verstanden worden. Eine
event-orientierte Gesinnung, die sich wenig Gedanken um die Zukunft
(siehe extremste Verschuldung durch Spekulationspech bei Schweizer
Franken) und natürlich auch nicht um die Vergangenheit macht.

Ich finde es wichtig, und auch mutig von Manfred Bauer das aufgegriffen
zu haben. Denn gerade bei den aktuellen Abgründen, vor denen Europa
gerade steht, ist ein Blick in unsere Vergangenheit ganz sinnvoll. Es
kann jetzt wirklich auch schnell gehen, dass sich tragische Irrtümer
wiederholen .- Ich denke, es gibt genügend Beispiele mit einem
entsprechenden Umgang mit fragwürdigen Denkmälern, die Gemeinde sollte
sofort eine Gruppe zusammentrommeln, die für Lösungen finden; ich
glaube, es gibt genügend Leute dafür in Purkersdorf
Aber ich denke, wir sollten die Gelegenheit nützen, die unselige
Vergangenheit systematisch aufzuarbeiten. Es gab diverse Ansätze, aber
es ist im Gegensatz zu vielen anderen Städten nicht umfassend geschehen.
Bei uns ist noch immer eine „Herr Koarl“-Mentalität (damit ist nicht der
Bürgermeister gemeint, sondern die Qualtinger-Figur), gepaart mit
geschichtsloser Schick-Micki-Einstellung stark.
Noch ein Wort zu Alfred Czernoch. Ich weiß nicht, wie die Entscheidungen
in den 60erJahren zu diesem Denkmal liefen. Aber ich möchte zu bedenken
geben, dass Alfred Czernoch damals als KPÖ-Gemeinderat mit seiner Liste
genau einen Sitz hatte. Eine Zustimmung von Alfred Czernoch zum Denkmal
interpretiere ich so: Alfred war einfach ein sehr großzügiger Mensch
(wenn auch bescheiden lebend). Als „rassisch“ und politisch von den
Nazis Verfolgter und Überlebender des Terrors hatte er eine sehr
positive Lebenseinstellung und „verdrängte“ so negative Tendenzen.
(Legendär ist sein dezenter Hinweis, dass sich der Kameradschaftsbund
auch Jahrzehnte nach dem Krieg noch vor den Russen fürchtet; dies hatte
zur Folge, dass der Kameradschaftsbund dann – er wollte sich nicht der
Feigheit bezichtigen lassen – erstmals auch am 1. November zum
Russenfriedhof mitging). Er hatte das Image eines „Gentleman“, und war
kulturell und vor allem literarisch sehr interessiert. Das alles
zusammen ist eventuell der Hintergrund für seine Mitwirkung an der
Denkmals Entscheidung, wie immer diese ausgesehen haben mag.


Thread  
Antwort  

Bitte als Benutzername die E-Mail Adresse verwenden!

Auf diesen Beitrag antworten:
Über Facebook | PuOn registriert

Beitrag zu neuem Thema schreiben:
Über Facebook | PuOn registriert

Hilfe Neu anmelden
Wenn du dich im Forum anmeldest, ist dein Name für dich reserviert. Du kannst trotzdem unter einem Pseudonym schreiben und mußt deine Identität nicht preisgeben.
Registrierte Personen sind am "®" - Zeichen zu erkennen.

Passwort vergessen? | Passwort ändern

Dieses Forum ist eine frei zugängliche Diskussionsplattform. Der Betreiber übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge und behält sich das Recht vor, Beiträge mit rechtswidrigem oder anstößigem Inhalt zu löschen.