Traurig genug war das angeblich unabwendbare Fällen dieses einst so prachtvollen, wildverzweigten Baumes, Symbol seit Generationen. Was aber falschverstandene Pietät oder Schuldbewußtsein dem sterbenden Bruder noch angetan haben, war makaber.

Man ließ die drei Stümpfe stehen und behütete sie mit Kronenkorken, hölzerne Bierflaschen, die vorwurfsvoll gen Himmel ragten, wie Schwurfinger eines Kriegsversehrten, ein entblößter Leichnam am Pranger.

Scheibchenweise wollte man Leichenteile mit Gravur zu Geld machen es ist mir unbekannt, ob irgendwer Geschmack an solcher Trophäe gefunden hat. Es gibt ja auch Leute, die ihren verstorbenen Hundeburli ausstopfen lassen und im Wohnzimmer an die Wand nageln.
Jetzt ist endlich das geschehen, was beim Fällen des Todesurteils sofort hätte geschehen sollen:
Tot ist tot und unrettbar verloren. Auch ein Baum hat eine Würde, meine ich. Also lassen wir ihn ruhen in Frieden. Geschminkte Leichen werden dadurch nicht lebendiger.
PS:
Im Februar 2006 habe ich zum Thema das PDF “Bäume sterben aufrecht in memoriam“ erstellt,
welches Gablitz-online Webmaster Jürgen Weckerle dankenswerterweise unter “FOTO-ALBUMGablitz³ zeigt . siehe: