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Staranwalt bekämpft Luftkrawall
Fluglärm: Im Gerichtssaal verteidigte er Josef Fritzl. Jetzt steigt Rudolf Mayer gegen zunehmend laute Einflugschneisen auf die Barrikaden.
"Belastung nimmt zu": Durch die dritte Piste in Schwechat befürchtet man eine verstärkte Lärmwelle. Die Aktivisten gehen auf politischer und juristischer Ebene dagegen vor
Wir wollen erreichen, dass die betroffenen Gemeinden Resolutionen verabschieden und so Druck auf das Land als Flughafen-Miteigentümer machen." Staranwalt und Fritzl-Verteidiger Rudolf Mayer engagiert sich in seinem Heimatort Tulbing als Bürgerlisten-Gemeinderat und jetzt auch als Fluglärm-Aktivist.
Auch im Wienerwald, viele Kilometer vom Flughafen Wien-Schwechat entfernt, fühlen sich zahlreiche Anrainer vom OHren betäubenden Lärm startender und landender Flugzeuge gestört: "Wir liegen in der Einflugschneise der Piste 11, das sind jene An- und Abflug-Routen, die auch über Wien führen", erklärt Mayer.
Vor Jahren noch kein Thema, wird Fluglärm auch im Wienerwald immer mehr zur Belastung. "Anfang der Neunziger gab es in der West-Einflugschneise noch knapp 3300 jährliche Landeanflüge. Im Jahr 2008 waren wir schon bei über 18.000 Anflügen", sagt Herbert Bartosch, Gründer des Tulbinger Bürerforums, dessen Obmann Mayer heute ist.
"Wir befürchten, dass die Belastung mit dem Bau der Dritten Piste noch zunimmt", bringt Anwalt Mayer die Ängste der Anrainer auf den Punkt. Immerhin haben sich viele zugezogene Tulbinger ganz bewusst im ruhig-idyllischen Wienerwald angesiedelt, um dem Lärm der Großstadt zu entfliehen.
Mayer und Bartosch haben sich gemeinsam mit Betroffenen aus Mauerbach, Gablitz, Purkersdorf und Pressbaum der "Bürgerinitiative gegen Fluglärm Wien-West und Wienerwald-Gemeinden" angeschlossen. Neben Aktionen auf der politischen Ebene versucht die Initiative auch juristisch gegen Fluglärm anzukämpfen.
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Bei der Staatsanwaltschaft Wien wurde Anzeige wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch erstattet. Es geht darum, dass der Ausbau des Flughafens in Teilprojekte "zerlegt" wird, um bei den Bewilligungen um eine aufwändige Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) mit vielen Auflagen herumzukommen.
Mayer macht klar: "Wenn ein großes Vorhaben, wie das Skylink-Terminal, als Gesamtprojekt geplant wird, muss es auch als solches eingereicht und geprüft werden. Es entspricht sicher nicht der Intention des Gesetzgebers, Bauvorhaben in Teilprojekte zu zerlegen, damit keine UVP stattfinden muss."
Polizeiliche Ermittlungen
Seit vorigem Jahr ist das Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Amtsmissbrauchs bei der Staatsanwaltschaft Wien bereits anhängig. Losgetreten wurde es von Rechtsanwältin Susanne Heger von besagter "Bürgerinitiative gegen Fluglärm Wien-West". Im Visier der Justiz sind Vertreter der Behörden - des Verkehrsministeriums, der NÖ-Landesregierung, Umweltanwalt Harald Rossmann und Wolfgang Straub, der Bezirkshauptmann von Wien-Umgebung.
"Das Verfahren ist offen", heißt es auf Anfrage des KURIER bei der Staatsanwaltschaft. "Es wurden polizeiliche Ermittlungen in Auftrag gegeben, um den Sachverhalt zu erheben", sagt Pressesprecher Thomas Vecsey. Nachsatz: "Wegen der Komplexität des Themas ist die Dauer der Untersuchungen schwer abzuschätzen."
Extrem eilig dürfte es die Justiz aber auch nicht haben. Denn keiner der Beschuldigten im Verfahren wurde bisher über laufende Ermittlungen gegen seine Person informiert.
Keiner Schuld ist man sich auch am Lärmauslöser Flughafen bewusst. "Wir haben alle Projekte so eingereicht, wie es der Gesetzgeber verlangt", betont ein Unternehmenssprecher.
Artikel vom 15.08.2010 15:03 | KURIER | Martin Bernert und Bernhard Ichner
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