Dies & Das - Kunst Cafe Bar

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Das Salettl


Das restaurierte Jugendstil-Salettl hat ein wechselhaftes Schicksal hinter sich:

Schon zu Beginn der 20. Jahrhunderts dürfte der Holzpavillon dem Gastgewerbe gedient haben. Aber dann dämmerte dieses Juwel der Jahrhundertwende jahrelang völlig unbeachtet und vergessen dahin. Sein Schicksal schien besiegelt zu sein - baldiger Verfall, moralischer Ruin, Abbruch. Christine Ullmann, 33 Jahre lang Pächterin des „Stadtheurigen Ullmann“, zu dem der Pavillon gehört: “Um die Jahrhundertwende 1900 soll das Haupthaus ein Treffpunkt der besten Gesellschaft gewesen sein: Angeblich sind kaiserliche Hoheiten dort abgestiegen.

Das Etablissement verfügte über einen „roten Salon“ sowie ein Billard-Cafe. Wenn ich mich recht erinnere, war ein gewisser Scheidl der erste Pächter, dann Senfelder, danach Wilhelm Schlesinger. Er hat den Pavillon, in dem vorher eine Apotheke war als Eissalon nur im Sommer betrieben. Dann stand das Lokal drei Jahre leer, bis wir es 1972 gepachtet haben. Wir wollten ursprünglich aus dem Pavillon ein Gartenlaubenhaus mit Heurigenbetrieb machen. Aber die behördlichen Auflagen wären zu kostspielig geworden. Da der Pavillon weder über Wasseranschluß noch Kanal verfügte, hätten wir zu viel investieren müssen.

Der Zustand des Salettls war bis vor kurzem noch erbärmlich. Deutliche Spuren von substanznagenden Witterungsschäden waren an diesem Holz-Gebäude nicht zu übersehen. Es schien absehbar, dass seine historische Schönheit bald der Spitzhacke zum Opfer fallen würde.

Doch dann bewiesen die Käufer des gesamten Areals, Familie Steinbichler, Sinn und kulturelles Verständnis für diese Kostbarkeit und ließen das Jugendstil-Salettl mit großem finanziellen Aufwand restaurieren. Da keine sanitären Anlagen vorhanden waren, mussten diese erst als Kellergeschoß eingebaut werden. Dadurch ergab sich auch die Terrasse. Diese fügt sich sehr harmonisch in die Architektur ein und bietet eine für Purkersdorf sehr ruhige Lage zum weitläufigen großen Garten nach hinten hinaus.

Gabriela Bellosits hat nun das Jugendstil-Salettl gemietet. Vom Hauptplatz übersiedelte sie mit ihrem Kleinodien- Geschäft “Dies & Das“ ins Salettl. Sie startet mit Schwung und voll Freude in den Neubeginn: „Seit Jahren warte ich schon, jetzt ist es endlich wahr geworden! Ich kann nur hoffen, dass meine Kunden und Gäste genauso begeistert sind von diesem bezaubernden Ambiente wie ich selbst!“ Die frischgebackene Wirtin, weiß auch noch: “Das Salettl war früher eine Apotheke, noch bevor es ein Eissalon wurde. Das kann man an dem Aeskulap-Stab erkennen, oben auf den Giebeln. Das Mediziner-Symbol Schlangenstab war im Zusammenhang mit einer Schale von altersher das Standessymbol der Apotheker.“

Text: NÖN